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"Es gibt kaum einen besseren Ort als ein Krankenhausbett, um über die außergewöhnliche Flut orwellscher Wörter und Bilder nachzudenken, die über die Bild- und Druckmedien über uns hereinbricht, dazu gedacht, zu täuschen, zu verbergen und irrezuführen!" Es ist kennzeichnend für den Skeptiker und linken Humanisten, der im Jahr der Russischen Revolution geboren wurde, die Dinge ruhig und unaufgeregt in ihrem historischen Kontext zu sehen.
Als englisch-jüdischer Staatsbürger 1917 in Alexandria geboren, übersiedelt Hobsbawm mit Familie nach Wien (wo der Autor und seine Schwester durch den frühen Tod der Eltern zu Waisen werden). Es folgen die Berliner Jahre 1931-1933 und der Beitritt zur kommunistischen Bewegung -- brisante Zeiten, die kurz nach Hitlers "Ermächtigungsgesetz" mit der Emigration in die neue Heimat England enden. Hier wird der Chronist und Deuter des 20. Jahrhunderts geboren. Hobsbawm, der zeitlebens mit den kommunistischen Idealen liebäugelt, bleibt ein Widerständler -- vor allem aber ein Humanist. Dass ihm neben all den komplizierten historischen Zusammenhängen noch Zeit bleibt, dem Leser seine Familie und seinen geliebten Jazz nahe zu bringen, lockert die Lektüre angenehm auf.
Gemessen an Hobsbawms genereller Neigung zum britischen Understatement, hat der deutsche Verlag diesem bedeutenden Geschichtsschreiber mit dem unnötig reißerischen Titel keinen Gefallen getan. Hobsbawm selbst schienen im englischen Original Interesting Times durchaus zu genügen. Spannende Zeiten waren es selbstredend. Der Leser sollte sich zu diesem gewaltigen Geschichtsbogen Zeit nehmen. Es geht um nichts weniger als um das Verstehen des Hier und Heute. --Ravi Unger
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Schon die Kapitel über das Frankreich und Italien der Jahrzehnte zwischen 1930 und 1995 (tatsächlich diese Zeitspanne, die er persönlich erlebt hat) sind wunderbare, kleine, geschlossene Bücher für sich. Exzellent geschrieben, leicht und nie oberflächlich ist das Buch - nach Lektüre der deutschen und englischen Fassung zu urteilen - ein feiner Genuss, vielleicht wie der Rotwein zu einem guten Essen. Es ist leider auch der etwas melancholische Blick zurück auf das, was sich immer mehr als das Goldene Zeitalter der Moderne erweist, die Zeit als "die Reichen", wie Hobsbawm bewusst vereinfachend schreibt, noch etwas abgeben mussten. Hobsbawm sieht wohl sein eigenes Leben als einen ungewöhnlichen und keineswegs vorhersehbaren Glücksfall an. Schön ist, dass er an diesem Glück andere teilnehmen lässt und ihnen Einsichten und Aussichten bietet.
Es ist eines der besten Bücher, das ich kenne. Ich hätte gerne immer einen Stapel zum Verschenken zur Hand.
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