Diesem Buch fehlt jegliche Spannung. Das Wesentliche ist nämlich bereits auf Seite 17 klar - und dort zeigt sich auch, daß die Eltern über die Organisation "OFAP" bestens informiert sind. Zum Vergleich - ich habe etwas in anderen Jugendbüchern geblättert. Dort ist jede Seite spannend, und macht Lust, das Buch zu lesen, also auch wenn man in der Mitte beginnt! Bei "Gefährliche Neugier" ist die Handlung jedoch nur ein wenig überzeugender Rahmen.
Die vier Helden der Geschichte, Anna, Robin, Lena und Frank haben keine Persönlichkeiten, keine Eigenschaften, kein Profil. Sie sind lediglich Namen ohne Eigenschaften. Man hätte sie ebensogut A, B, C und D nennen können. Dadurch fehlt dem Leser die Möglichkeit, sich in irgendeiner Weise mit ihnen zu identifizieren. Die Jugendlichen reden miteinander immer sachlich, kaum emotional. Sie verhalten sich untereinander wie Erwachsene in kleinen Körpern. Auch der Wortschatz ist nicht der von Jugendlichen. Nicht einmal die Autorin selbst wird in ihrer Jugend so geredet haben.
Die Detailliebe der Autorin geht leider ins Absurde - und ist doch nicht vollständig. Auf Seite 14 nehmen Robin und Anna eine große Flasche Cola aus dem Kühlschrank, sowie zwei Gläser und eine Tüte Chips nach oben. Sie bitten die Mutter, sie zu rufen wenn das Essen fertig ist. Auf Seite 16 kommen sie dann jedoch - trotz der Chips - selbst herunter, weil sie Hunger haben. Später gehen sie wieder nach oben. Auf Seite 19 gehen sie wieder nach unten, und Anna stellt die leere Flasche in die Getränke-Kiste zurück. Letzteres ist, wie viele Eltern mir sicherlich bestätigen werden, ein Wunder. Es fehlt eigentlich nur noch daß Anna eine volle Flasche Cola aus dem Keller in den Kühlschrank stellt, die beiden Gläser in den Geschirrspüler steckt, und die Verpackung der Chips in die gelbe Tonne wirft...
Auf Seite 47 holt sich Klaus eine Pizza aus dem Gefrierfach. Auf Seite 48 zieht er die Pizza aus der Mikrowelle, ohne sie je hineingetan zu haben. (Daß in einer klassischen Mikrowelle ohne Grill und Crunch-Platte gar keine Pizza gelingen kann, war der Autorin wohl nicht bekannt)
Ebenfalls bedauerlich ist daß es keine Illustrationen gibt, zum Beispiel eine Skizze zum Anfang eines Kapitels.
Positiv überrascht hat mich daß die Autorin keine Attacken gegen Personen aus der Kritiker-Szene eingeschmuggelt hat, denn in drei ihrer anderen Büchern gibt es diese Angriffe; seit 2002 lehnt sie es sogar vollkommen ab, an Scientology direkte Kritik auszuüben und konzentriert sich darauf, den Kritikern von Scientology alles mögliche vorzuwerfen und verharmlost Scientology, ganz im Gegensatz zu früher.
Als "Gefährliche Neugier" erschien, hielt ich es für eine gute Idee, Jugendliche durch ein Roman über die Gefahren von Sekten aufzuklären. Nach der Lektüre bin ich anderer Meinung. Um die Gefahren von Scientology nahe zu bringen, sind Sachbücher wie "Der Sektenkonzern", "Mission mit allen Mitteln", oder die Hefte von K.H. Schneider sicherlich ein guter Weg - auch weil diese Leute nach wie vor zu dem stehen, was sie früher geschrieben haben. In einem Jugendbuch wäre es dagegen sinnvoller, vor Sekten in allgemeinerer Form zu warnen - ähnlich wie es in den TV Serien "Ellen" und "Roseanne" in humorvoller Form schon mal getan wurde. Idealerweise sollte ein solches Buch durch einen Autor geschrieben werden, der bereits am Markt etabliert ist.