Roger Vadims Film schwimmt mit dem Strom der Nouvelle Vague, die Ende der 1950er Jahre das französische Kino - und von ihm ausgehend das Kino überhaupt - revolutionierte. Atmosphärisch nimmt "Gefährliche Liebschaften" teilweise den Geist der Filme der jungen Wilden um François Truffaut und Jean-Luc Godard auf beziehungsweise vorweg: Er zeigt Cocktailparties zwischen leeren Konversationen und exzessiver Ausgelassenheit, eine Gesellschaft im moralischen Umbruch zwischen Befreiung und Orientierungslosigkeit, das alles flankiert von cooler Jazzmusik und dem Chic der Sixties. Er entwirft damit ein durchaus sehenswertes Gesellschaftsporträt. Und auch die Übertragung des Laclos-Romans auf seine eigene Epoche, in der es in besonderem Maße das Verhältnis von Freiheit und Moral im Verhältnis der Geschlechter und ihrer gelebten Sexualität auszuloten gilt, erscheint überzeugend. Völlig begeistern kann die Umsetzung allerdings nicht. Dafür wirkt die Inszenierung - trotz einiger sehr schön gefilmter Momente - doch ein wenig zu gehemmt und sowohl die Dialoge als auch das Spiel der Darsteller manchmal doch etwas zu hölzern. Dadurch hat der Film, der in Anbetracht der dichten Story mit gut anderthalb Stunden eigentlich recht kurz gehalten ist, ein paar Längen. Wenn er vor allem im Abstand von nun gut fünfzig Jahren auch nicht mehr ganz so frisch wirkt, lohnt es sich aber dennoch sich den Film einmal anzuschauen, wenn man sich für die Zeit und das französische Kino der Epoche interessiert.
Die bei Concorde erschienene DVD eignet sich dafür durchaus, man sollte aber keine Edition für den cinephilen Sammler erwarten: Bild (1.66:1 anamorph) und Ton (DD 1.0) sind altersentsprechend in Ordnung, aber auch nicht mehr. Und an Extras gibt es leider nur einige Trailer. Dafür holt man sich mit der Scheibe die ungekürzte Version des Films ins Haus.