Dass der französische Adel in seiner Dekadenz eine gewisse Meisterschaft entwickelt hatte, ist hinlänglich bekannt, aber mit welcher Raffinesse und mit welchem Esprit der Vicomte de Valmont (John Malkovich) und die Marquise de Merteuil (Glenn Close) in "Gefährliche Liebschaften" vorgehen, ist einfach weltmeisterlich.
Mit ausgeklügelter Intriganz und einschmeichelnden Worten bewegen sie die Objekte ihrer Begierden wie Bauern auf einem Schachfeld. Alles ist Strategie, mit dem einzigen Ziel, das eigene Ego, den eigenen verruchten Nimbus noch zu steigern. Die Marquise und der Vicomte schließen Wetten ab, wer wann welche Keuschheit zu Fall bringt. Die Marquise fordert den Vicomte heraus: "Der Tenor erhält doch nicht dafür Applaus, dass er sich räuspert ..."
Valmont muss ein Meisterstück vollbringen, also hat er sich Madame de Tourvel (Michelle Pfeiffer) vorgenommen, eine Dame von Anstand, die als besonders tugendhaft und fromm gilt. Peu a peu geht er daran, diese Festung der Sittsamkeit zum Einsturz zu bringen. Gewissermaßen als Aufwärmrunde verführt Valmont noch die junge Cécile de Volanges (Uma Thurman), während die Marquise ein Auge auf Céciles naiven Galan Danceny (Keanu Reeves) wirft.
Für John Malkovich ist die Rolle des hochintelligenten, ruchlosen Vicomte de Valmont auf den Leib geschnitten. Perfekte Darstellung! Glenn Close überzeugt ebenso wie Michelle Pfeiffer als herzhaft Leidende und Uma Thurman als angehende femme fatale.
Es gibt Filme, die alleine aufgrund der schauspielerischen Leistung getragen werden, bei "Gefährliche Liebschaften" ist das nicht so. Da stimmt alles, Stephen Frears hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Für Frears-Fans sei
Mary Reilly empfohlen, wo Malkovich zwischen Jekyll und Hyde changiert bzw.
Cheri - Eine Komödie der Eitelkeiten, in dem Michelle Pfeiffer eine Edel-Kurtisane abgibt.