Hat Pierre Choderlos de Laclos das Wissen um die fatalen Intrigen im Pariser Adel des 18. Jahrhunderts aus eigener Erfahrung gewonnen, entsprang dieser geniale Briefroman seiner Phantasie oder trifft gar beides zu? Der Leser kommt nicht umhin, sich diese Frage zu stellen. Sie wird nicht beantwortet, es bleibt jedoch genügend Raum für Spekulationen. Laclos` Briefroman "Gefährliche Liebschaften" wurde 1782 anonym veröffentlicht Roman und löste einen heftigen Skandal aus. Das ist nicht verwunderlich, schaut Laclos doch schonungslos in die Seelen der Pariser Gesellschaftskreise, die, sich langweilend, Intrigen zur eigenen Belustigung schmieden und dabei das ihrem Wesen ureigene Böse offenbaren. Da ist die Marquis de Merteuil, die durch lebenslange Erfahrung tiefen Einblick in die menschliche Natur, insbesondere in bezug auf die Liebe, gesammelt hat und nun gemeinsam mit dem Vicomte de Valmont, ihrem ehemaligen Geliebten, daran geht, nahestehende Personen rücksichtslos zu verletzen, sich an ihnen zu rächen oder sie einfach nur lächerlich zu machen. So wird die junge Cecile Volanges ein unschuldiges Opfer, da der ehemalige Geliebte der Marquis de Merteuil, der Comte de Gercourt, das junge unschuldige Blut dem älteren vorzog und Cecile zu heiraten beabsichtigt.. Da wird eine fromme, tugendhafte, verheiratete junge Frau, Madame de Tourvel, schonungslos dazu getrieben, all ihre Werte und ihren Glauben an Gott für die Liebe zu opfern und damit ihr ureigenes Wesen zu verleugnen. Bei diesen gefährlichen Liebschaften leiden jedoch nicht nur die Opfer. Auch die Akteure, die Marquis und der Vicomte de Valmont, werden durch ihre eigenen Machenschaften in einen Strudel des Verderbens gerissen. Laclos` "Gefährliche Liebschaften" sind in der wunderschönen Sprache des 18. Jahrhunderts geschrieben, jedoch gänzlich verständlich. Er versteht es, allen Charakteren seines Romans, die dem Leser jeweils nur über die Briefe zugänglich werden, ein ihm ganz eigenes persönliches Leben einzuhauchen. Dieses geschieht durch die wunderbare Art, in der er jede Figur auf ihre eigentümliche Weise Briefe schreiben läßt. Sind diese Briefe nun authentischen Quellen nachempfunden? Kann ein Mann so tief in die weibliche Seele blicken? Kann ein Mann sich solche abgrundtiefen Intrigen herbeiphantasieren, die auch noch psychologisch so imposant fundiert sind? Mir kamen beim Lesen der "Gefährlichen Liebschaften" mehr Erkenntnisse über die menschliche Natur und die Liebe als in irgendwelchen Psychologie-Ratgebern. . Es ist ein beeindruckendes, wahrlich zeitloses Buch, das zeigt, daß die Menschen schon vor zweihundert Jahren über dieselben Erkenntnisse verfügten wie wir heute. Es ist übrigens auch ganz hervorragend verfilmt worden, mit John Malkovich, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman und Glenn Close in den Hauptrollen.