In einer besonders abgelegenen Gegend Amerikas - Gee's Bend in Alabama - entstand bei den Nachfahren afrikanischer Sklaven eine Quiltgemeinde. Wegen ihrer geographischen Lage und gleichzeitiger Armut blieb sie weitgehend unbeeinflusst von Stilen der übrigen Quilter des Landes, wurde über Generationen fortgeführt und existiert auch heute noch. Der vorliegende Band dokumentiert die entstandenen Quilts vor den Lebensbedingungen ihrer Schöpferinnen, die auch selbst in eindringlichen Schilderungen zu Wort kommen.
Die großformatigen, durchgehend farbigen Abbildungen der Quilts ordnen sich nach Mustergruppen wie Streifen, Sterne, Dreiecke usw. einerseits, andererseits stellen sie das Gesamtwerk ganzer Familien dar. Die Gee's Bend Quilts unterscheiden sich grundlegend von denjenigen, die zur gleichen Zeit in Amerika oder England entstanden sind. Hergestellt aus einfachsten, überwiegend gebrauchten Stoffen sind sie in einer Ungefangenheit zusammengesetzt, dass die Individualität einer jeden Quilterin bestmöglich zum Ausdruck kommt. Die überraschende Farbgebung, der unkonventionelle Gebrauch von Musterblöcken und die ungewöhnlichen Proportionen lassen jeden einzelnen Quilt zum Unikat werden. Und gerade darin liegt in meinen Augen die besondere Inspiration für den Quiltinteressierten heute. Die afro-amerikanischen Frauen von Gee's Bend haben in den Arbeiten von bis zu vier Generationen in ihrer Farb-und Formensprache die Moderne vorweggenommen und können uns heute eine Fülle von Ideen für unsere eigene Arbeit liefern.
"Gee' Bend: The Women and Their Quilts" ist eine geradezu phantastische Dokumentation in erstklassiger Aufmachung. Sie schenkt uns einen tiefen Einblick in die Historie und ist gleichermaßen inspirierend. Der Anteil des englischsprachigen Textes mit ca. 100 Seiten lässt bei insgesamt 432 Seiten optimalen Raum für geniale Quilts.