Erst langsam wird in Westeuropa mehr bekannt, was sich vor der Wende in den kommunistischen Staaten für die Kirchen abspielte. Am schärfsten war die Verfolgung und Unterdrückung in der ehemaligen Tschechoslowakei. Dort wirkte der in Erfurt 1978 geheim geweihte Priester und Gelehrte Thomas Halik (Jg. 1948), Mitarbeiter von Kardinal Tomasek und Vaclav Havel, der ihn gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte. Johannes Paul II. berief ihn in den damaligen Päpstlichen Rat für den Dialog mit den Nichtglaubenden, Benedikt XVI. verlieh ihm den Ehrentitel eines Päpstlichen Prälaten, die Münchener Katholische Akademie 2010 den "Guardini-Preis". Die Quintessenz seiner langjährigen Seelsorgserfahrungen im bis heute atheistischen Umfeld hat Halik nun in deutscher Sprache unter dem Titel "Geduld mit Gott" im Herder Verlag vorgelegt. Dabei sieht er in Anlehnung an Nietzsche, aber auch an Therese von Lisieux und Simone Weil, den Atheismus als Herausforderung zur Reifung des Glaubens, als eine "nicht zu Ende gesprochene Wahrheit", von der der Gläubige viel zu lernen hat. In der Debatte um Säkularismus und Fundamentalismus, um Glaube und Unglaube, betont Halik das Ausharren in Zweifeln und Verlassenheiten, die Geduld mit Gott in Glaube, Hoffnung und Liebe. Beispielgebend ist die evangelische Gestalt des Zöllners Zachäus, bei dem Jesus unerwartet und ohne Vorbedingungen einkehrt. Zächäus ändert sein Leben und ist in seiner Distanz zum religiösen Milieu ein Prototyp für Situationen der Evangelisierung in der Gegenwart. Der persönlich und engagiert geschriebene Text nähert sich in mehreren Kreisbewegungen seinem Thema. Man spürt den engagierten Verkündiger auf ungewohnten Strassen des gegenwärtigen Jericho nicht nur in Prag, wo Halik inzwischen einen Lehrstuhl an der Karlsuniversität hat, sondern genauso in den westlichen Staaten. Keine belehrende Apologetik, sondern Einfühlung und Hörbereitschaft sind sein Charakteristikum. Das Buch sollte allen Verkündigern der frohen Botschaft eine Pflichtlektüre sein und sie vor plakativen Umgang mit der Glaubenswahrheit warnen.