KLAPPENTEXT:
Hochhäuser, Arbeitslosigkeit, Langeweile. An der Bank zwischen Block zwei und drei treffen sich Alex, Schädel, Rocco, Ronnie und Debbie und hängen rum. Doch dann wird eine alte Frau überfallen und stirbt an den Verletzungen. Für alle ist sofort klar: Alex ist der Schuldige.
ZUM AUTOR:
Daniel Höra wurde in Hannover geboren und wuchs, wie seine Protagonisten in 'Gedisst' selbst im Plattenbau auf. Er machte Erfahrungen mit Kriminalität und schlug sich mit Nebenjobs durch. Dann holte er sein Abitur nach, wurde TV-Redakteur und ist nun freier Journalist. Im Bloomsbury Verlag erschien diesen Herbst sein zweiter Jugendroman 'Das Ende der Welt'.
EIGENE MEINUNG:
Alex lebt mit einigen anderen Jugendlichen in der Platte. Dort gehört es zum Alltag, dass man sich einer Gang anschließt (welche das ist, ist egal. Man darf auch schon mal wechseln.), dass mindestens ein Elternteil arbeitslos ist, dass man klaut und säuft und auch, dass man den Rest seines Lebens dort verbringt. Schließlich hat man dort seine Homies und ohne die läuft nichts.
Als Alex des Mordes an seiner alten Nachbarin verdächtigt wird, ignorieren ihn seine Kumpels. Und nicht nur das. Er wird regelrecht gedisst und man versucht ihn aus der Gegend zu verjagen. Aus ehemals guten Freunden werden plötzlich lebensbedrohliche Feinde.
An dieser Stelle treten für mich mehrere Fragen auf: Waren diese Freunde überhaupt jemals Freunde, wenn sie einen in schwierigen Situationen nicht nur allein im Regen stehen lassen, sondern auch noch beginnen denjenigen anzufeinden und zu bedrohen? Wie würde es mir in der Situation ergehen? Könnte ich zu einem Kumpel stehen, wenn dieser verdächtigt wird einen Menschen umgebracht zu haben? Gerade diese Frage ist natürlich besonders schwierig zu beantworten, da es ja auch ein bisschen darauf ankommt, in welchem Umfeld man sich bewegt. Gerade in Alex Gegend, in der jeder kriminell ist, ist es sicher sehr schwer an dessen Unschuld zu glauben.
Eine sehr heikle Situation, die Alex wahren Freunden einiges abverlangt. Einiges an Geduld, Vertrauen und Selbstbewusstsein. Da sie jedoch von Alex Unschuld überzeugt sind, die Polizei aber keine große Hilfe ist, machen sie sich im Alleingang auf die Suche nach dem Mörder. Ein spannendes Detektivspiel beginnt.
Ich weiß gar nicht was mich mehr schockiert hat: Wie kriminell die Jugendlichen im Roman sind, wie hemmungslos andere gedisst werden, wie alltäglich Gewalt ist oder wie schockierend echt das Ganze ist. Dem Autor gelingt es seinen Erzählton so alltäglich und authentisch zu gestalten, dass der Leser so richtig darauf aufmerksam gemacht wird, wie realistisch die Situation ist. Täglich hören wir in den Nachrichten von gewalttätigen Jugendlichen, ohne, dass hinter die Kulissen geschaut wird. 'Gedisst' gibt uns einen klaren Einblick in ein Leben, wie es viele Kinder in Deutschland führen, in die Hilflosigkeit, die ihnen anhaftet und die Tatenlosigkeit, mit denen viele diesen Schicksalen zuschauen. Unter welchem Druck sie stehen und wie stark sich 'Bandenverhalten' auf den einzelnen auswirken kann.
'Gedisst' liest sich sehr schnell und dem Autor gelingt es, uns nicht nur mit einer packenden Geschichte, sondern auch ein wenig Selbstironie und gesundem Humor zu fesseln.
FAZIT:
'Gedisst' ist ein Jugendroman, der mit viel Authentizität schockiert und mit einer gewissen Portion Selbstironie humorvoll auf ein wichtiges und schwieriges Thema aufmerksam macht, das viele Jugendliche betrifft.