Nun, Natacha Atlas einzuordnen ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn man es versuchen würde käme man irgendwann zu der Aussage: "Irgendwo zwischen Folklore, Elektro-Pop, HipHop, Weltmusik und Jazz." Also schenken wir uns die Kategorien und greifen wir zu einer Aussage, die auf den ersten Blick ähnlich aussagekräftig ist: "Natacha Atlas ist Natacha Atlas."
OK, außer, dass die Dame jenseits aller Kategorien existiert sagt uns das nicht viel. Also gehen wir in medias res.
Ohne viel arabische Musik gehört zu haben, kann Madam Atlas ein Verhaftetsein in der Tradition arabischer Sangeskunst attestiert werden. Aber sie geht darüber hinaus. Wenn man neben den schwülstigen Klangbögen der Streicher auf den Rhythmus achtet kommt der mit einem mal gar nicht arabisch daher - nicht einmal orientalisch -, es sind die Rhythmen die aus der Ecke Trip Hop bis Techno bekannt sind. Und wer das Cover betrachtet und mit Bildern der Sängerinnen der EuroDanceSzene (in Showkostümen) vergleicht weiß, dass diese Assoziation durchaus ihre Berechtigung hat.
Ja, ist das denn alles, arabische Melodik mit Popbeats?
Weit gefehlt. Beides geht in einander über, Drum'N'Bass wechselt mit klassischer arabischer Percussion und poppige Melodien gehen mit orientalischer Stimmakrobatik einher. Am eindrücklichsten zeigt dies gleich das erste Stück "Mon amie la rose" das beginnt wie ein Chanson, zu einem Drum'N'Bass Stück wird und ziemlich orientalisch endet. Und dies ist nur der Auftakt zu einem Album voller Überraschungen. So ist dem gegenüber das Stück "Mistaneek" vergleichsweise klassisch gehalten.
Eine kleine Sensation ist das Stück "Bastet" in dem Natacha als Rapperin debütiert und damit gleich einmal den Zensoren am Golf zum Opfer fiel (ganz zu schweigen von den Vorurteilen der Araber die ihre Sprache für diese Verwendung eigentlich als untauglich ansahen). In einem Interview war einmal nachzulesen, dass Natacha selbst ihre Rap-Fähigkeiten nicht besonders hoch einschätzt. Nun, dies mag ich hier nicht einschätzen, dennoch hat diese Einspielung dem arabischen HipHop einen mächtigen Anschub gegeben, so dass er mittlerweile zu einer ähnlichen Massenbewegung geworden ist, wie in Europa.
Kurz: Dies ist eines der Alben die nicht nur qualitativ sondern auch im Hinblick auf ihren Einfluss ein Meilenstein sind.