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Gedichte. [Unbekannter Einband]


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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Wiesb., Limes, 1963.; Auflage: 2. Aufl. (1963)
  • ASIN: B003D084XO
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.706.104 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Gottfried Benn
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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von sonaleu
Format:Taschenbuch
Gottfried Benn - Arzt und Dichter - lebte von 1886 - 1956. Er begann als Expressionist und bereits hier klang seine Stimme deutlich aus dem Chor der vielen hervor. Später fand Benn seinen eigenen Weg und Stil und wird so zu DEM Deutschen Dichter der Moderne, dessen Einfluss auf die Literatur weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein spürbar bleibt.
Der vorliegende Band bieten einen Querschnitt durch Benns lyrisches Schaffen. Die Auswahl beginnt mit einigen von Benns berühmten "Morgue-Gedichten", die in ihrer lakonischen Art, dem Menschen seine eigene Materialität und Vergänglichkeit vor Augen zu führen, immer noch schockierend wirken, und enthält zahlreiche der berühmtesten Gedichte Benns, so z. B. "Astern", "Das Ganze" und "Chopin". Einge der Gedichte erschliessen sich dem Leser eher leicht, die meisten aber erfordern viel Überlegung und Hintergrundwissen - Benns Beschäftigung mit der Philosophie Nietzsches und mit den Naturwissenschaften hat Einfluss auf seine Lyrik, so dass es nicht einfach ist, Benns Horizont zu verstehen. Der Herausgeber lässt den Gedichten noch ein Benn-Vortrag aus dem Jahre 1955 folgen. Hier erklärt Benn wichtige Aspekte seiner Auffassung von Poesie. Dieser Text und ein umfangreiches Nachwort des Herausgebers Christoph Perels erhellen manche Zusammenhänge und machen die Beschäftigung mit Benns Gedichten noch interessanter.
Weshalb nicht fünf Sterne? Der Herausgeber hat Benns lyrisches Schaffen in vier Zeitabschnitte eingeteilt: 1912 - 1921; 1922 - 1932, 1933 - 1946 und 1947 - 1955. Warum gerade diese Zeiteinteilung gewählt wurde, bleibt weitgehende unbegründet, aus dem Nachwort von Christoph Perels lässt sich einiges dazu erschliessen, aber man hätte sich doch gewünscht, sowohl Einteilung als auch Auswahl wären besser begründet worden. Auch sonst vermisst man genauere editorische Hinweise: So ist z. B. - mit wenigen Ausnahmen - nicht ersichtlich, wann genau und wo ein einzelnes Gedicht erstmals erschienen oder wann es entstanden ist. Auch könnte die Literaturhinweise einmal wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.
Insgesamt: empfehlenswert für alle, die sich ein Bild über das lyrische Schaffen Benns machen wollen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gottfried Benn "Gedichte" 11. Februar 2009
Von faithfull
Format:Taschenbuch
Schnell ist man fasziniert von den Texten Benns. Schnell findet man hinein, nur schwer wieder heraus. Nach Ende der Lektüre hat man ein mulmiges Gefühl. Man ist schockiert und fasziniert zugleich. Die Ausgabe bringt Gottfried Benn´s Gedichte in einem guten Format heraus. Die Schriftgröße ist gut und das Buch handlich.
Etwas stören die wilden Brüche in den Seiten, wenn eben noch ein Gedicht auf der Seite anfangen musste.
Meines Erachtens handelt es sich dabei auch nicht um alle Benn´schen Gedichte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
"Die weiche Bucht. Die dunklen Wälderträume.
Die Sterne, schneeballblütengroß und schwer.
Die Panther springen lautlos durch die Bäume.
Alles ist Ufer. Ewig ruft das Meer -"

Gottfried Benn, vielleicht der erste große deutsche Dichter der Moderne, wird bis zum heutigen Tag hauptsächlich als wichtigster Vorreiter und Vertreter des Expressionismus gesehen und ist vor allem dafür bekannt, dass er in seinen frühen Gedichte neue Tabuthemen wie Verwesung, Krankheit, körperliche Prozesse und ärztliche Detailuntersuchungen verarbeitete; und obwohl man diesen Gedichten nur ein Drittel seines Gesamtwerks auf diesem Gebiet erfasst - den frühsten, drängendsten Teil - scheint er auf diese frühen Werke unwiderruflich abgestempelt zu sein. Ich selbst wurde damals im Deutschunterricht lediglich mit "Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke" konfrontiert, ein Gedicht, dass ich, wie ich direkt klarstellen will, ganz scheußlich finde; es ist ein schlechtes, das Werk Benns kein bisschen wiedergebendes Gedicht, vielleicht expressiv-innovativ oder historisch interessant, aber lyrisch ohne Wert.

"Niemand ist Alles auf Erden.
In die Blüte des Lichts,
in die Aue des Werden,
strömt die Seele ihr Nichts

Wie dann die Stunden auch hießen,
Qual und Tränen des Seins,
alles blüht im Verfließen
dieses nächtigen Weins"

Warum wird Benn oft allein als dieser Dichter frühster Stunde gesehen, warum werden seine heute fragwürdigen "Innovationen" als seine größten lyrischen Triumphe gefeiert, wo er doch in reiferen Jahren so tiefsinnige und doch ehrliche Gedichte geschrieben hat. Ich weiß es nicht. Aber ich kann es mir denken. Denn auch mich hat es Überwindung gekostet, mich durch die frühen Gedichte zu wühlen, nicht durch alle, aber so manche blutleere und von Schlamm übersprudelnde Quelle unpoetischer Verbalisierungen ist auf dem Weg, den man gehen muss, wenn man diese guten frühen Gedichte herausfiltern will.
Und das kann zu dem Gedanken verleiten, es gehe weiter wie es anfängt. Und genau da liegt der große Irrtum, von dem ich hoffe, dass letztlich vielleicht nur ich und wenige andere ihm aufgesessen sind und für die meisten diese Mahnung lächerlich ist ' würde mich freuen! (Übrigens: Wer sich jetzt irgendwie angegriffen fühlt: Wenn sie Benn schon entdeckt haben oder seine frühen Werke mögen - ich spreche von mir aus und ich schreibe dies hier aus Sorge und nicht aus dem Wunsch nach Polemik)

"Zwei Welten stehn in Spiel und Widerstreben,
allein der Mensch ist nieder, wenn er schwankt,
er kann vom Augenblick nicht leben,
obwohl er sich dem Augenblick verdankt;"

Panta rhei - Alles fließt. Diesen Satz könnte man, weiß auf schwarzem Marmor, als Einband für Benns mittlere und spätere Gedichte benutzen, als Stichwort, als Motto, als Credo. Hauptsächlich haben diese Gedichte nichts mehr mit den frühen Werken aus Morgue oder Schutt gemein, außer vielleicht den Hank zu kulturellen Anspielungen und der immer noch kräftig wirkenden, am Zügel gehaltenen Sprache. Man kann sich bei den meisten förmlich vorstellen, wie ein älterer, weiser, ruhiger Mann an einem Tisch sitzt und die Reime ihm aus der Feder fließen.
Es geht um Metaphysik und um den Wunsch zu entkommen oder zu bleiben. Eins von beidem will gelingen, aber beides steht dem Menschen nur scheinbar offen. ("Wenn Du noch Formen willst,/ um nicht zu enden,/ wenn Du noch Normen stillst,/ statt dich zu wenden.") Die Angst ist kein Wegweiser, aber sie hält uns klein. Der Tod ist kein Übel, aber er ist das Ende des Lebens, wie wir es kennen. Das einzige, was es gibt, ist das Andere, das Leere und du.

"Vor keiner Macht zu sinken,
vor keinem Rausch zur Ruh,
du selber bist Trank und Trinken,
der Denker, du."

Gewiss, dieser kleine Themeneinblick ist nichts, was einen zärtlich oder freudig stimmt. Aber es stimmt einen nachdenklich und ist wundervoll zu lesen, als würden sich die Reime Sinn und Wort zugleich reichen. Und immer wieder erscheinen Verse, die einen wie der Ton einer tiefen Glocke treffen, weithin gut zu hören, durch Jahre, Zeit und Papier - und andere, die begegnen einem wie ein Gedanke in der Nacht, wenn man in völliger Dunkelheit am Fenster steht, Verse
wie:

"Die dunklen Fluten enden,
als Fremdes, nicht dein, nicht mein,
sie lassen dir nichts in den Händen,
als der Bilder schweigendes Sein.

Die Fluten, die Flammen, die Fragen -
und dann auf Asche sehn:
'Leben ist Brückenschlagen
über Ströme, die vergehn'."

Knapp könnte man sagen: Die Gedichte haben etwas Meditatives. Noch später kommen sogar einige erzählende, geradezu leichte, reimlose Gedichte auf, aber auch diese haben eine Art, einen nicht loszulassen mit ihrem Fluss, ihrem Gedankengut, ihren beobachtenden Augen.

"Der sah dich hart, der andre sah dich milder,
der wie es ordnet, der wie es zerstört,
doch was sie sahn, das waren halbe Bilder,
da dir das Ganze nur allein gehört."

Ich glaube, dass Benn in seinem Spätwerk zu den größten Dichtern Deutschlands gehörte und gehört. Mag sein Werk auch düster und über die Melancholie hinaus sogar kalt sein; nur in dieser Dunkelheit konnte diese dunkelrote Note entstehen, die ein paar seiner Verse zu dem trefflichsten und ausgeglichensten machen, was ich in der deutschen Sprache bisher an Lyrik lesen durfte. Vor allem die Ausgeglichenheit, selbst schon in frühen Gedichten teilweise vorhanden, ist ein Merkmal Benns das immer wieder zu verblüffen weiß - der klare Ton, die die tiefe Stimme.

"Es ist ein Knabe, dem ich manchmal trauere,
der sich am See in Schilf und Wogen ließ,
noch strömte nicht der Fluß, vor dem ich schauere,
der erst wie Glück und dann vergessen hieß.

Es ist ein Spruch, den oftmals ich gesonnen,
der alles sagt, da er dir nichts verheißt -
ich habe ihn auch in dies Buch versponnen,
er stand auf einem Grab: 'tu sais' - du weißt."
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