vom Volke abgewendet, eine Poesie, die nur die individuellen Empfindungen ausspricht, habe ich nie Sinn gehabt. Im Volke musste es wurzeln, in seinen Sitten, seiner Religion, was mich anziehen sollte."
Ludwig Uhland, der wie Goethe das Glück hatte in bewegten Zeiten zu leben (1787-1862/ napoleonische Kriege, Romantik, Neues Deutschland), machte stets klar, dass er nicht nur Dichter war. Er war auch Politiker und Professor, sogar Wissenschaftler und Fachliterat. Dementsprechend ist sein dichterischer Ausstoß beschränkt, auf seine Jugend und die zwei späteren kurzen Phasen, wo er sich dann inhaltlich fast ganz auf politische Gedichte konzentrierte.
Ansonsten hat Uhland sich vor allem in einer Gattung hervorgetan: Der Ballade, welche er vor allem mit mittelalterlichen Sagen und Historiken zu füllen pflegte; gleichzeitig stellt dies Thema seine lebenslange Passion dar.
Außerdem hat er (natürlich) Naturlyrik geschrieben und Gedichte (hier dann auch politische) über seine Heimat Schwaben. So über eine bestimmte Kapelle in Wurmlingen:
"Droben stehet die Kapelle,
schauet still ins Tal hinab,
drunten singt bei Wies' und Quelle
froh und hell der Hirtenknab'.
Traurig tönt das Glöcklein nieder,
schauerlich der Leichenchor;
Stille sind die frohen Lieder,
und der Knabe lauscht empor.
Droben bringt man sie zu Grabe,
die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
Dir auch singt man dort einmal."
Wie bei Heinrich Heine haben seine Balladen und Gedichte etwas musisch, allerdings nicht so stark, wie bei Heine.
Uhland war ein guter Dichter, ohne Zweifel. Ein aufregender Dichter war er nicht; aber wer es liebt sich in schönen Reimen etwas darstellen oder gar erzählen zu lassen, wird bei diesem Reclamheft eine erste Ahnung kriegen, wie erhaben doch der Reim noch immer ist, wenn es um Bilder geht.