Als ich beim Lesen des "Knaurs Lexikon der Weltliteratur" beim Buchstaben "L" angelangt war, fand ich den Namen Nikolaus Lenau. Dort heißt es über ihn: "Öster.-ungar. Dichter, typ. zerrissene Gestalt der Spätromantik, die mit dem eigenen Leben nicht fertig wird und sich in Weltschmerz und Sehsucht flüchtet". Der Weltschmerz und die Verwandtschaft mit Byron und Leopardi erweckten in mir eine Neugier, die Gedichte von Lenau zu lesen. Die Reclam-Ausgabe enthält 83 Gedichte von Lenau. Das sind nicht viele, wenn man bedenkt das Lenau über 500 Gedichte geschrieben hat. Neben seinen Gedichten und Versepen hat Lenau so gut wie keine Prosa entworfen (neben Briefen ein paar wenige Rezensionen). Lyrik war für Lenau eine Passion. Er selbst sagte: "Ich will mich selber ans Kreuz schlagen, wenn´s nur ein gutes Gedicht gibt". Und so muss es nicht überraschen, dass viele seiner Gedichte geglückt sind. Ich möchte sogar sagen, dass er einige der besten deutschsprachigen Gedichte verfasst hat. Seine zentralen Themen sind: Natur, Melancholie, Leiden, Schmerz, Heinmatlosigkeit, Tod und Sehnsucht. Die Natur ist aber bei Lenau nicht nur ein Zeichen der Vergänglichkeit und ein Ort des Trostes, sondern sie wird auch als fremd, kalt und gleichgültig empfunden, wie im Gedicht "Einsamkeit". Die besten Gedichte sind ohen Zweifel "Der Postillon", "Die drei Zigeuner" und "Abschied". Zusätzlich liebe ich besonders die Gedichte "Die drei"(das makaber endet), "Herbstklage" und "Der schwarze See". Auch seine Gedichte die in Amerika spielen, sind beachtenswert, vor allem da wo es um die unterdrückten und ausgebeuteten Indianer geht. Es ist schon erstaunlich wie sehr Nikolaus Lenau, einer der größten Dichter der in deutscher Sprache Gedichte geschrieben hat, in der Literaturszene und im Deutschunterricht vernachlässigt wird.