Mihail Eminescu, der in Rumänien überaus verehrte romantische Dichter, wurde 1850 in Ipoteºti, einem Dorf nahe der moldauischen Stadt Botoºani, als siebtes Kind eines Gutsbesitzers geboren. Er besuchte die deutschsprachige Hauptschule und später das deutsche Obergymnasium in dem zur k. u. k. Monarchie gehörenden Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina. Einer seiner Lehrer war Aron Pumnul, ein rumänischer Sprachforscher, der aufgrund seiner revolutionären Ideen aus Siebenbürgen emigriert war und nun seine Schüler, darunter auch den jungen Eminescu, von der großen Bedeutung der rumänischen Kultur und Sprache überzeugte. Obwohl Eminescu die Bücher der Bibliothek verschlang, hatte er einige Schwierigkeiten, sich an die erforderliche schulische Disziplin anzupassen. Gerade vierzehnjährig, schloss er sich einer Truppe von Wanderschauspielern an, von deren unkonventioneller Lebensweise er begeistert war. Er betätigte sich als Rollenabschreiber und als Souffleur bei den dargebotenen nationalen Theaterstücken oder schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. 1866 veröffentlichte er zum ersten Mal das Gedicht De-as avea (Wenn ich hätte) in der rumänischen Zeitschrift Familia (Die Familie), die in Budapest von Josif Vulcan herausgegeben wurde. 1869 gelang es dem Vater, seinen Sprössling aufzuspüren und ihn kurzerhand in die Metropole Wien zu schicken, um dort ein Philosophiestudium zu absolvieren. Davon war Eminescu durchaus angetan, konnte er doch nun ungehindert seinen Wissensdurst stillen und wurde sogar noch finanziell vom Vater unterstützt. Er las in dieser Zeit viele historische und philosophische Texte, wobei ihn besonders Arthur Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung beeindruckte und ihn zu etlichen Gedichten inspirierte. Der Pessimismus und die Misogynie Schopenhauers sind vollauf präsent in Eminescus dichterischem Werk, auch die Auseinandersetzung mit fernöstlichen Religionen (wie z.B. in Kamadeva) hat ihren Ursprung in der Wiener Studienzeit. Er konnte die Vorlesungen nur als Gasthörer besuchen, da ihm das Abitur fehlte, erlebte dafür aber eine künstlerisch sehr fruchtbare Periode. 1870 veröffentlichte er in der Zeitschrift Convorbiri literare (Literarische Gespräche), die in Iaºi von dem Literaturkreis Junimea (Die Jugend) herausgegeben wurde, das Gedicht Venere si Madonã (Venus und Madonna) und erhielt viel Anerkennung von den Teilnehmern des Junimea-Kreises, vor allem von dem erfolgreichen Politiker Titu Maiorescu, der auf die Förderung rumänischer Kultur und insbesondere Literatur sehr großen Wert legte, um damit die Konsolidierung des jungen rumänischen Nationalstaates voranzutreiben. Von nun an hielt Maiorescu eine schützende Hand über Eminescu, der aufgrund seines großen sprachlichen Talents genau den Anforderungen an einen "Nationaldichter" zu entsprechen schien. In allen schwierigen oder ausweglosen Situationen erhielt Eminescu ein Leben lang von Titu Maiorescu Unterstützung. Von 1871 bis 1874 studierte Eminescu in Berlin, nun, nachdem er aus Botosani einen Abiturnachweis erhalten hatte, als ordentlicher Student. In diesen Jahren war der Einfluss der deutschen Kultur auf seine Geisteshaltung und seine künstlerische Aktivität enorm - neben philosophischen und historischen Texten las er deutsche Literatur, vor allem deutsche Lyrik. In Straßencafés sitzend, kopierte er aus Tageszeitungen Gedichte, übersetzte sie, dichtete nach, bearbeitete und verarbeitete deutsche Texte und übernahm davon ins Rumänische alles, was ihm interessant erschien . Daher ist es nicht verwunderlich, dass etlichen seiner Gedichte deutsche Originaltexte zugrunde lagen - inwieweit es sich jeweils um Übersetzungen oder um Bearbeitungen im Rumänischen handelt, ist bis heute in der Rumänischen Literaturwissenschaft sehr umstritten. Feststeht, dass der Einfluss der deutschen Literatur auf Eminescus Werk von großer Bedeutung ist. Er veröffentlichte in der Zeitschrift Convorbiri literare häufig Gedichte, stand in engem Kontakt zu den Junimea-Mitgliedern, vor allem zu Titu Maiorescu. Dieser hatte bereits einen Lehrstuhl für ihn an der Universität in Iaºi vorgesehen, doch Eminescu kehrte 1874 ohne ein Examen, geschweige denn einen akademischen Titel, zurück und lehnte eine Vollendung des Studiums in Berlin aus angeblich familiären Gründen ab. Maiorescu verschaffte ihm die Stelle als Direktor der Zentralbibliothek. 1875 entflammte in Eminescu die Liebe zu Veronica Micle, einer äußerst attraktiven, doch verheirateten jungen Frau mit literarischen Ambitionen. Er war nun Schulrevisor für Iaºi und das benachbarte Vaslui, wurde aber schon bald dieser Funktion enthoben und arbeitete darauf als Redakteur für die Lokalzeitung Curierul de Iaºi (Iaºer Kurier). 1877 zog Eminescu nach Bukarest und engagierte sich bei der Zeitung Timpul (Die Zeit) als Redakteur, wobei er fast alle Artikel selbst schrieb, was ihn auf Dauer sehr anstrengte und seine Kräfte aushöhlte. Er tat sich in dieser Periode besonders durch seine politischen Artikel hervor, die seine nationalistische und xenophobe Einstellung zum Ausdruck bringen (eine sehr aufschlussreiche Studie zur politischen Einstellung Eminescus schrieb Klaus Heitmann ). Daneben entstanden viele Gedichte, Eminescu war auch auf künstlerischer Ebene sehr produktiv, nur im privaten Bereich war im das Glück nicht zugetan: Veronica Micles Ehemann war zwar 1879 verstorben, doch Eminescu konnte sich nicht zu einer Heirat mit Veronica entscheiden - ob aus Angst vor den bürgerlichen Verpflichtungen, die eine Ehe mit sich bringen würde, oder aus Zweifeln an der Dauerhaftigkeit seiner Beziehung zu Veronica, man kann dazu nur Vermutungen anstellen. Tatsache ist, dass der pessimistische Ton in seinen Liebesgedichten von nun an stark zunahm, die Sonette, die zu jener Zeit erschienen, sind erfüllt von Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung. Ebenso strahlen die ersten vier Briefe (Scrisori) (1881) viel Sarkasmus und Pessimismus aus, und auch der Abendstern (Luceafãrul) (1882) bringt eine eher negative Sicht der Frau als Liebespartnerin zum Ausdruck. Inwieweit bei diesem Aspekt die persönliche Lebenserfahrung Eminescus mit der angelesenen philosophischen Einstellung Schopenhauers übereinstimmte, wie weit sie sich vielleicht überlagerten, lässt sich schwer sagen. Feststeht, dass Eminescu an einer inneren Zerrissenheit litt, sich aufrieb in einer literarischen Akribie, seine Gedichte immer wieder sprachlich überarbeitete, einzelne Strophen verwarf, andere hinzufügte, sich schwer durchringen konnte zu einem Definitivum und zu guter Letzt viele Manuskripte, die er zum wievielten Male verändert hatte, einfach verschlampte, so dass sie in seiner Unordnung untergingen. Aus diesem Grund gibt es von den meisten Gedichten etliche Versionen, die sprachlich brillant ausgefeilt sind, wobei es jedoch zu keiner definitiven Entscheidung Eminescus für die eine oder andere Version kommen konnte, da sich bereits 1883 die ersten Symptome seiner Geisteskrankheit zeigten. Man internierte ihn für einige Zeit in einer Klinik, und Titu Maiorescu kümmerte sich um die erste Buchausgabe Eminescus, die schließlich zum Jahreswechsel 1883/1884 mit seinem Vorwort erschien. Es gelang ihm, Eminescu davon zu überzeugen, dass sein Krankenhausaufenthalt vom Erlös des Gedichtbandes bestritten wurde, um seinen Stolz nicht zu verletzen. 1884 starb der Vater, einer seiner Brüder beging Selbstmord. Eminescu unternahm eine Genesungsreise nach Norditalien in Begleitung eines gewissen Chibici, nach seiner Rückkehr arbeitete er kurz als Hilfsbibliothekar in der Bibliothek, deren Direktor er einst gewesen war, danach musste er erneut interniert werden. Der Gedichtband wurde zum zweiten Mal aufgelegt. Die bibliothekarische Hilfstätigkeit wechselte sich in den folgenden Jahren mit Krankenhausaufenthalten ab. 1888 erhielt Eminescu eine staatliche Unterstützung, damit er ungehindert einige Manuskripte fertig stellen konnte. Immer wieder veröffentlichte er neue Gedichte, die in den meisten Fällen Überarbeitungen früherer, bisher unveröffentlichter Gedichte waren und schließlich auch in der dritten Auflage seines Gedichtbandes erschienen. Ebenfalls in diesem Jahr holte ihn Veronica Micle nochmals für einige Zeit zu sich nach Bukarest, doch bereits im Februar 1889 musste er erneut ins Krankenhaus. Ob seine Geisteskrankheit erblich bedingt war (in seiner Familie gab es mehrere Fälle von geistiger Verwirrung) oder ob er unter den Spätfolgen einer syphilitischen Infektion litt, kann bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Schließlich starb Eminescu in der Nacht zum 15. Juni 1889 in einem Bukarester Sanatorium. Im selben Jahr verstarb auch Veronica Micle. Eminescus dichterisches Werk setzte Maßstäbe für die weitere Entwicklung der rumänischen Literatursprache. Er schrieb in einer noch heute modernen Sprache, deren Orthographie sich zwar zwischenzeitlich mehrmals änderte, lexikologisch ist sie aber keineswegs veraltet. Wie bereits beschrieben wurde, erstellte Eminescu meist mehrere Versionen seiner Gedichte, die er immer wieder veränderte und sich selten für eine definitive entscheiden konnte. Nach seinem Tod kamen noch viele andere, bisher unveröffentlichte Gedichte zutage, jeweils wieder in v