Es tut mir leid, aber ich kann mich meinem Vorrezensenten nicht darin anschließen, dass dies Gedichte seien, die trösten und wohlig in den Schlaf geleiten. Aber alle Menschen sind unterschiedlich, und jedem sei seine Abendlektüre gegönnt!
Trakl, Teilnehmer des ersten Weltkrieges und angeblich in eine unglückliche Affaire mit seiner eigenen Schwester(!) verstrickt, hat einige der abgründigsten, dunkelsten und melancholischsten (gemeint ist die eigentliche Bedeutung von melancholisch, nämlich tief-depressiv!) Gedichte geschrieben, die wohl je ein Dichter verfaßt hat. Mir ist jedenfalls keiner Bekannt, der einen noch dunkleren Ton anstimmen würde. Sein "Gesang zur Nacht" ist dabei wohl das schwärzeste, aber vielleicht auch das schönste unter ihnen.
Ich kann Trakl nur lesen, solange die Sonne scheint, denn mir sind seine Gedichte zu bitter, als dass ich sie gegen Abend lesen würde:
"Und steht vor uns ein fremder Feind
der höhnt, worum wir sterbend ringen,
daß trüber unsere Lieder klingen
und dunkel bleibt, was in uns weint" -
das kann ich noch auswendig; -
Gute Nachtruhe!