Wie der von mir sehr geschätzte Publizist Dr. Peter Zudeick in seinen kritischen Betrachtungen zu Friedrich Nietzsche bereits bemerkt, hat dieser Philosoph unter anderem sehr schöne Gedichte verfasst, die man sich - ganz gleichgültig , wie man nun zu seinen philosophischen Werken stehen mag, auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Nietzsches Jugendgedichte(1858-1868), wie auch die Gedichte seiner lyrischen Jahre(1869-1888) schwanken zwischen Stolz und Klage. Sie bringen nicht selten Einsamkeit, Heimatlosigkeit, Vergänglichkeit und Todesbewusstsein zum Ausdruck.
Häufiges Motiv ist der Wanderer mit unbekanntem Ziel.
Die Stimmung, die Nietzsche in seinen Gedichten zu zeichnen sucht, ist farbenreich und impressionistisch.
Sein Spruchhaftes aus den Jahren 1869- 1888 beinhaltet Lebensweisheiten, ist aber auch Kampfansage an seine Gegner, so etwa im Gedicht "Unter Feinden", in den Gedichtszeilen "An Spinoza", " An die Jünger Darwins", "Arthur Schopenhauer" und " An Richard Wagner" .
In "Scherz, List und Rache" sagt er die wunderbaren Worte /Seit ich des Suchens müde ward, Erlernte ich das Finden/ .. und er findet die rechten Worte zur Weltklugheit:/ Bleib nicht auf ebnem Feld!/ Steig nicht zu hoch hinaus!/Am schönsten sieht die Welt/von halber Höhe aus/.... vor Hoffart warnte der Dichter mit den Worten... / Blas dich nicht auf: sonst bringt dich/ Zum Platzen schon ein kleiner Stich/... und schließlich sagt er Kluges auch in nachstehendem Vers: / Im Schweiße unsres Angesichts/ solln unser Brot wir essen?/ Im Schweiße isst man lieber nichts,/ Nach weißer Ärzte Ermessen./ Der Hundsstern winkt. Woran gebricht`s?/ Was will sein feurig Winken?/ Im Schweiße unsres Angesichts/ Solln unsren Wein wir trinken!/
In seinen Liedern des Prinzen Vogelfrei(1887) finden sich die schöne Zeilen:/ Tanzen wir in tausend Weisen,/Frei- sein unsre Kunst geheißen,/ Fröhlich- unsre Wissenschaft!/... und weiter/ Tanzen wir gleich Troubadouren/ zwischen Heiligen und Huren,/ Zwischen Gott und Welt den Tanz!/
Die dann folgenden Dionysos-Dithyramben sind "die Lieder Zarathustras" , welche er sich selber sang, damit er seine Einsamkeit ertragen konnte. Klage ist nicht selten mit trotzigem Hohn gemischt. Es handelt sich um hymnisch-pathetische Rhytmen. Die beiden bekenntnishaften Gedichte seiner letzten Schaffenszeit fehlen nicht: " Die Sonne sinkt" und " Ruhm und Ewigkeit" .
Aus dem Umkreis der Dionysos -Dithyramben möchte ich einige Verse wiedergeben:
11. "Damit begann ich:
ich verlernte das Mitgefühl mit mir!"
54. "Steigt ihr?
Ist es wahr, dass ihr steigt,
ihr höheren Menschen?
Werdet ihr nicht, verzeiht,
dem Balle gleich
in die Höhe gedrückt
....durch euer Niedrigstes?..
flieht ihr nicht vor euch, ihr Steigenden? ...
101. Eure falsche Liebe
zum Vergangenen,
eine Totengräberliebe-
sie ist ein Raub am Leben:
ihr stehlt sie der Zukunft ab.
und schließlich:
107. Liebe den Feind,
lass Dich rauben von dem Räuber":
das Weib hört`s und tut`s .
Das ist auch Nietzsche, ein anderer vielleicht als der, den Sie bisher kannten.
Empfehlenswert!