Der zerbrochene Jüngling, der Seher, der Prophet, das umnachtete Opfer, das alles ist Hölderlin. Was hat man davon, wenn man weiß, Hölderlin habe in der Zeit der Götterferne, in der Zeit des verlorenen Arkadiens den Boden bereitet für deren Rückkehr? Was hat man davon, wenn man spürt, wie einer das Erwachen aus dem Schlummer der Nacht der Vereinzelung feiert? Wer möchte nicht in Anbetracht dieser Erkenntnis dasitzen und den Anlauf spüren oder ihn gar vorsagen: "Versöhnender, der du nimmergeglaubt / Nun da bist ..." Mit Hölderlin trifft Göttliches Unteilnehmende nicht, Teilnahme an seiner Dichtung ist wie ein Umgang mit Göttern einer anderen Welt und doch sagt er: "sprecht von Göttern nicht! Ihr habt Verstand!" Und doch bleibt er auf der Suche nach Hilfe gegen seinen Trübsinn aus unbefriedigtem Ehrgeiz.
Wer Hölderlin sucht,findet in diesem Band nahezu alles. Es sind die Gedichte, die Bruchstücke, Notizen und Kommentare. Wer die Möglichkeiten deutscher Sprache kennen lernen möchte, ist richtig. Warum? Hölderlin tritt nicht auf mit Vergleichen, die dem Besserwissen ähnlich sind. Hölderlin integriert das Gegenteil von etwas wie ein Verflochtendes und dann schon Erwartetes ohne Rückblick auf einen dennoch herauszuhörenden Mangel. (wie gesagt: "Versöhnender, der du nimmergeglaubt nun da bist.") Wie dem wirklich Liebenden auch das recht ist was gegen den Geliebten spricht, so findet er letztlich das, was die Liebe ist: Zustimmung. "Versöhnung ist Mitten im Streit und alles Getrennte findet sich wieder" Oder der angestrebte Gegenton der jedes vermeintliche Negative hinüberettet in eine positive Stimmung, eine Dialektik in der Sprache. "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch."
Wo Sprache als Nichts empfunden wird, feiert Hölderlin den Ton. Und doch fühlt er sich nicht reif, da "lächelt Himmel und Erd ... / Mir umsonst". Doch kämpferisch gibt er sich, "Wenn ich so singend fiele ..." Diese zaghaft negative, dann kämpferische Natur entspringt einem Ich, welches nur von Außen bestätigt wird. Diese Bestätigung ist der einzige Grund für ein Ich, aus einem brunnentiefen Ich zu schöpfen war ihm nicht möglich, er hatte keins von Innen. Die Natur war das Göttliche für ihn, ganz im Zeichen Spinozas konnte er die Romantik zu etwas Göttlichem verhelfen, die Philosophie mit Hegel und Schelling teilen und sich selbst werdenden Idealen hingeben, im Sein verlor er seinen Halt. Dass der "Furchtlosrege Geist ... / ... sich üb, und die Göttersprache, das Wechseln / Und das Werden versteh ..."
In seinem Turm, fernab den Menschen, verbrachte er die letzten Jahre, "...jetzt, / Da Herrschaft nirgends ist zu sehen, bei Geistern und bei Menschen."