William Butler Yeats wurde am 13. Juni 1865 als Sohn des bekannten irischen Kunstmalers John Butler Yeats in Sandymount, einem heutigen Stadtteil Dublins, geboren. Durch seinen Vater wurde er mit der Malerei der Präraffaeliten vertraut. Der junge Yeats studierte Kunst an der Metropolitan School of Art in Dublin. 1880 wandte er sich der Literatur zu und lernte Oscar Wilde kennen, für dessen Homosexualität dieser sich in der Öffentlichkeit einsetzte, was zu einer langanhaltenden Freundschaft führte. In dieser Zeit entwickelte Yeats Interesse für Hinduismus, Theosophie und Okkultismus. Las romantische Werke, bevorzugt Percy Bysshe Shelley und William Blake.
Yeat`s Familie gehörte der "Protestant Ascendancy" an und so war naheliegend, dass er sich stark für die Unabhängigkeit seines Landes einsetzte. 1899 gründete er mit Unterstützung der Schriftstellerin Lady Gregory in Dublin das Irish Literary Theatre und war als Leiter dessen einer der Initiatoren der Renaissance irischer Dichtung. Nach der Unabhängigkeit der "Republik Irland" war er von 1922 bis 1928 Mitglied des irischen Senats. Sein Interesse an Mystik und Spiritualität blieb erhalten und inspirierte seine Arbeiten Zeit seines Lebens. Aus Prosa, Lyrik, Dramen und Essays besteht sein Werk. William Butler Yeats starb 1939 im französischen Roquebrune-Cape-Martin.
William Butler Yeats gehörte offensichtlich zu den Kindern, die für die Spiritualität besonders empfänglich waren. Er entwickelte im Verlaufe der Zeit einen Hang zu heroisch-märchenhafter Romantik. Die Imagination von Göttern, Helden und phantastischen Kreaturen aus der irischen Sagenwelt verknüpfte Yeats generell mit Symboliken aus der Natur und der mythischen Sagenwelt. Bei Yeats scheint die Natur einen eigenen Stellenwert zu besitzen und es ist wohl Yeats Sicht auf diese, dass sie dem Leser ein Gefühl von unberührter Stille und erhabenem Alter einzuflössen vermögen. Aber stets ist auch dieses starke Bedürfnis nach Aufbegehrung, nach Freiheitsdrang in den Zeilen präsent. Letzteres war für Yeats sicherlich von grosser Bedeutung. Auch das Alter spielte für diesen eine grosse Rolle. Es sind vorwiegend Bilder von alten, geplagten aber kämpferischen Gestalten, die der Schriftsteller gerne bemühte. Die Auswirkung und Veränderung, welche die Zeit auf das Alter mit sich bringt und wie sich diese auf unsere Erinnerung und Empfindung auswirkt.
Auf Reisen in Sligo liess er sich der junge Yeats die Geschichten von den Elfen erzählen, die nachts aus einem geheimen Felsentor am Südhang des Ben Bulben ausfahren und von der Königin Maeve, die einst ihre Heere gegen Cuchulain aufbot. Auch das märchenhafte Ambiente von Haus und Garten bot phantastische Inspiration. Hier prägten ihn die Dinge, welche ihn und seine Lyrik ein Leben lang begleiten sollten. Der Rückzug und das Verbleiben in einer vergessenen, entfernten und sagenhaften Welt und was geschieht, wenn sich diese Verankerungen lösen. Die belebende Kraft der Phantasie und der Natur. Das Verhältnis der Dame und des pflichtbewussten und strammen Mannes. Die Vorstellung einer heroischen und kriegerischen Welt, in der er der befehlsmächtige Kommandant ist. Vom Standesdünkel, der sich in der Abscheu vor einfachen Hütten und in der Bevorzugung herrschaftlicher Gesellschaft äussert. Aber auch von der nicht erwiderten Liebe und vom dem Glauben an tiefverborgene Weisheiten der Spiritualität.
Yeats war ein Dichter mit vielen Gesichtern. Seine Interessen waren vielfältig, differenziert und zuweilen gar gegensätzlich. Dies zieht sich deutlich durch sein gesamtes Werk. Yeats beschwor die keltische Mythologie und dichtete um Irlands Sagengestalten gleichermassen wie er von eigenen politischen und persönlichen Ereignissen und Verwicklungen seiner Zeit erzählte. Er glaubte an Götter, das Medium und war der Auffassung, dass eine weniger romantisch-mystische Literatur den politischen Kampf unterstützen oder gar ersetzen sollte. Repetiv findet sich in seinen Gedichten immer wieder der Schauplatz des irischen Sligo, das Yeats offensichtlich besonders am Herzen lag. Yeats verbeugt sich in seinen Werken vor einer Vielzahl von Künstlern, Fürsten und Königen verschiedener Epochen. Von Dichtern wie Ferguson oder Davis bishin zu Malern wie Edmund Dulac, mit welchem er persönlich befreundet war.
Diese Ausgabe aus dem Luchterhand-Verlag wurde von Norbert Hummelt herausgegeben. An der Übersetzung waren Marcel Beyer, Mirko Bonné, Gerhard Falkner und Nora Matocza, Norbert Hummelt sowie Christa Schuenke beteiligt. Das Ziel war, sämtliche Gedichte, die William Butler Yeats während 50 Jahren geschrieben hatte wieder in deutscher Sprache zugänglich zu machen, wie sie noch nie vorlagen. Alle hier vorliegenden Gedichte wurden eigens für dieses Buch neu übersetzt. Die massgebliche englische Textgrundlage war die von dem weltweit führenden Yeats-Forscher Richard J. Finneran besorgte Ausgabe "The Collected Poems of W. B. Yeats" in der revidierten Fassung von Scribner 1996.
Im Buch findet man einen Anhang zu dieser Ausgabe, Betrachtungen von Norbert Hummelt über William Butler Yeats, Biographien und Statements der Übersetzer, Anmerkungen zu Hintergründen und Intention der Gedichte und neben dem althergebrachten Inhaltsverzeichnis ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis der Gedichttitel.
Fazit: William Butler Yeats war mit seinen unterschiedlichsten Profilen ein höchst interessanter und vielschichtiger Dichter.