Kurzbeschreibung
Eine Flaschenpost nennt Paul Celan das Gedicht, in Seenot aufgegeben und womöglich ans "Herzland" gespült. Als Empfänger einer Flaschenpost sieht er sich als Übersetzter, als Adressat von Korrespondenzen und Ähnlichkeiten. Schon als die deutschen Truppen in Cernowitz eindrangen, versuchte der junge Celan, Jessenin zu übersetzen. Und in Ossip Mandelstam sah Celan nicht nur Korrespondenzen, die das dichterische Werk betrafen: Er wurde für Celan von Anfang an Sinnbild der eigenen Existenz.
Über den Autor
Ossip Mandelstam wurde 1891 in Warschau geboren. Studium in Paris, Heidelberg und Petersburg. 1913 erschien sein erster Gedicht-band "Der Stein". Es folgten 1922 "Tristia" und der Sammelband "Gedichte" 1928. Eine Neuausgabe seiner Gedichte sowie der erzählen-den und essayistischen Prosa erschien 1955 im Tschechow Verlag, New York. Als Paul Celans Übertragungen der Gedichte von Ossip Mandelstam 1959 erstmals erschienen, war der Name dieses russischen Lyrikers, Erzählers und Essayisten bei uns noch weitgehend unbekannt. Inzwischen haben die beiden Erinnerungsbände seiner Frau Nadeschda Mandelstam "Das Jahrhundert der Wölfe" (1971) und "Generation ohne Tränen" (1975) viele Leser mit seiner Person und seinem Schicksal bekannt gemacht. Ossip Mandelstam wurde 1934 im Verlauf der Stalinistischen "Säuberungen" nach Sibirien deportiert, wo er 1938 in einem Lager umkam.Paul Celan, geboren 1920 in Czernowitz in der Bukowina, entkam durch Flucht dem Holocaust und lebte seit 1948 in Paris. 1960 erhielt er den Georg-Büchner-Preis für sein lyrisches Werk und seine meisterhaften Übersetzungen.1970 wählte er den Freitod.