Wo etwa Fontane noch das Idyll sucht und preist, kontrastiert Trakl dasselbe mit allerlei Schrecken und zeigt dessen Widersprüche gnadenlos auf, versetzt der heimeligen Stimmung des 19. Jahrhunderts im Herrgottswinkel schwere Schläge. Der Himmel ist bei Trakl "bleiern und weit" und die Glut flattert "fratzenhaft im Herd", während die Mägde "blöd und verstummt" lauschen (aus "Die Bauern").
Man ahnt die Lust des Dichters, das traut-heimelige der Lyrik mancher seiner Vorgänger zu zerstören. Trakl hat keinen Sinn für lyrische Schönfärberei, er lässt in seinen Gedichten das Leben in krassen Adjektiven Revue passieren, in all seinen Schattierungen und Grausamkeiten, die eigene Verzweiflung ist in seinem Werk stets präsent.
Trakl ist ein Dichter der Zwischenräume. Am schönsten lässt sich das am Beispiel des Gedichts "Verfall" zeigen, wo sich in die abendliche Vogelflugidylle plötzlich ein Hauch des "Verfalls" schiebt, der den Dichter "erzittern macht".
So funktionieren Trakls Gedichte prinzipiell: In eine heimelige und vertrauenerweckende Szenerie brechen plötzlich Spuren von Tod, Krankheit, Zerfall ein, ausgedrückt durch Adjektive ("Resedaduft durchs kranke Fenster zieht") oder gleich als integrativer Bestandteil ("Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld / Ein Hirt verwest auf einem alten Stein").
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass diesem jung verstorbenen, kranken und verzweifelten Dichter vor diesem Hintergrund ein wichtiger und nicht weg zu denkender aaufregedner Beitrag zur Entwicklung der deutschen Lyrik gelungen ist. Zusammen mit Dörmann gehört er zu den eindringlichsten deutschen Nachfolgern Baudelaires und Rimbauds.