Gedeih und Verderb von Henry Zou erzählt die Geschichte von Inquisitor Obodiah Roth und seinen Begleitern, wie sie dem Grund einer Chaosinvasion auf ein vermeintlich völlig unbedeutendes Planetensystem auf die Spur kommen.
Obodiah Roth scheint ein Inquisitor zu sein, der sich auf dem Schlachtfeld Schulter an Schulter mit Soldaten der Imperialen Armee am wohlsten fühlt. Verglichen mit einem Eisenhorn oder einem Ravenor wirkt er jedoch relativ mittellos. Seine Psi Fähigkeiten werden als eher rudimentär beschrieben und seine Kampfkraft ist überschaubar, nicht unbesiegbar. Das alles zusammen macht diesen Mann auf seine eigene Art und Weise sympathisch. Ich habe gerne seine Ermittlungen und seine Kämpfe verfolgt - obwohl ich manchmal dachte, dass da an einigen Stellen als Inquisitor doch mehr drin gewesen wäre.
Sein Scherge Silverstein ist ebenfalls ein interessanter Charakter, der Jäger/Scharfschütze, der niemals verfehlt. Ich hätte mir gewünscht noch mehr von ihm zu lesen und vor Allem noch mehr von ihm und Roth zusammen.
Das Buch findet meiner Meinung nach mit dem Aufdecken eines Maulwurfes in den Reihen der Imperialen und der Inquisition seinen Höhepunkt. Was daraufhin folgt sind größtenteils nur noch Schlachtenberichte die aufeinander folgen und ab und zu Bezug zu den vorher liebgewonnenen Charakteren ziehen. Allerdings ist man als Leser in diesem letzten Teil des Buches gefühlt nicht mehr so nah bei Obodiah wie zu Beginn. Man betrachtet alles von oben und deswegen ging mir zum Ende des Buches ein wenig die Tiefe verloren vor lauter Schlachtberichten.
Der Gegenspieler von Roth ist das Chaos. Genauer: die Eisenbeschlagenen. Es handelt sich dabei scheinbar um eine marodierende Armee von Kultisten(?) oder besser gesagt einer Chaos-Imperialen Armee. Das bedeutet hier gibt es keine Dämonen, keine Hexerei und keine Chaos Marines (Ok, es gibt einen) und man hat die ganze Zeit das Gefühl, Roth und die Imperiale Armee würden es mit einer auf herkömmlicher Weise (ohne Einwirken des Chaos) abtrünnigen Armee zu tun haben. Der Horror, der von anderen Autoren gerne mit dem Auftreten des Chaos beschworen wird fehlt hier gänzlich und ich habe streckenweise gedacht, dass der Autor eigentlich eine Dark Eldar Armee als Gegner auswählen wollte ihm dann aber eingefallen ist, dass Dark Eldar nicht so richtig in die Story passen und dann Chaos-Imperiale wählte.
Kurz gesagt: Man hat einfach keine Angst vor dem Gegner, er ist zwar äußerst brutal aber eben menschlich brutal und man denkt die ganze Zeit, wann denn endlich die richtigen (Chaos Marines) auftreten und dem ganzen ein schnelles Ende bereiten. Natürlich gibt genau das dem Roman eine ganz spezielle Atmosphäre, dennoch ein paar aus meiner Sicht Ungereimtheiten:
[!!]########ENTHÄLT SPOILER!############[!!]
Ein Space Marine nimmt an den Sitzungen im Flottenkommando teil, trotzdem greifen die Marines nie ein.
Es wird genau 1 Chaos Marine gesichtet, was er da macht und warum nicht mehr kommen bleibt ungeklärt.
Es gibt keine Raumschlachten, obwohl beide Flotten im selben System, zum Teil sogar im selben Orbit kreisen).
Die Erklärung des embrionalen Sterns ist meinem Wissen nach physikalisch falsch. Ok, das ist eigentlich irrelevant und kann durch Wirken von Hexerei erklärt werden. Dennoch: ein Körper verringert nicht sein Gewicht, wenn er die Dichte seiner Masse verringert. Er wächst nur. Demnach wäre es praktisch unmöglich ihn zu bewegen und wahrscheinlich würde ein Stern mit einer solchen Masse den Planeten um sich herum einfach in sich aufnehmen wie ein schwarzes Loch eben (ich denke das war der Grundgedanke).
Was genau hätten die Menschen damals mit einem solchen Stern bzw. einer solchen Waffe anfangen sollen? Es wird erklärt, dass es sich um eine ultimative Waffe handelt die eingesetzt werden soll wenn die Zivilisation bedroht ist. Blöd ist nur, dass sich diese Waffe nur transportieren lässt wenn die Planeten richtig stehen und wenn sie ausgelöst wird das ganze System inklusive der dortigen Zivilisation vernichtet. Also eine völlig unbrauchbar Verteidigungswaffe und da sie in ein feindliches System geschleppt werden müsste, dann ausgelöst ist sie für den Angriff eigentlich auch nur bedingt zu gebrauchen.
Trotzdem ist es eine interessante Idee die jedoch meiner Ansicht nach nicht zu Ende gedacht wurde.
[!!]########SPOILER ENDE!############[!!]
Als Fazit lässt sich sagen: Empfehlenswert! Ich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Wer allerdings einen Eisenhorn oder Ravenor erwartet wird enttäuscht. Wer Horror sucht, ebenfalls. Wer auf Schlachten zwischen Imperialen Soldaten steht wird hingegen voll bedient.
Deswegen von mir wegen der aufgeführten Punkte 4 Sterne.