Nur eine Anmerkung zu Wolfgang Emmerichs "Generationen- Archive- Diskurse": Meines Erachtens wird die Rolle der Popliteratur viel zu unkritisch betrachtet. Sicher gibt es keinen Zweifel daran, dass (fast jede) Form der Literatur ihre Berechtigung hat und ja im Grunde eine Reaktion auf eine bestimmte gesellschaftliche (polit., soziolog....) Entwicklung hinweist. Es wäre doch aber richtiger, sich damit diskursiv auseinander zu setzen, warum jegliche moralische Betrachtungsweise förmlich verschwunden zu sein scheint aus der Literatur "der Jungen". Einer Sättigung im Hinblick auf eine historische Auseinandersetzung wird hier ein Markenfetischismus entgegengesetzt der für mich, und ich gehöre zur Generation der "Jungen", erschreckend ist. Weniger Moral, damit lässt sich leben, aber dafür mehr Oberflächlichkeit? Sollte das alles sein, was übrig ist oder resultiert aus so wunderbaren Autoren die einst nicht nur die dt. Literaturlandschaft so bereichert haben und zwar nicht nur zur Unterhaltung? Mit fehlt immer häufiger die Initiative und die Bereitschaft ernsthaft zu diskutieren und nicht alles als gegebenes Resultat einer Entwicklung hinzunehmen in die wir nicht eingreifen können. Die Popliteratur sowie eine Tendenz zum generalisierten literarischen Lach- und Spaßbetrieb, in der Ironie und Witz scheinbar die einzigen Mittel darstellen, welcher sich die Autoren grad noch zu Bedienen im Stande sind, ist meines Erachtens eine Entwicklung in die falsche Richtung. Soll nicht heißen, dass Humor, Sarkasmus, Ironie etc. aus den Büchern verbannt werden sollte, aber dann doch bitte auch mit dem nötigen Niveau. Diese Entwicklung war vlt. absehbar und entspricht dem Großteil der von Werbung und Konsumgeprägten Gesellschaft. Letzten Endes ist es doch nichts als Ablenkung und die Weigerung bestimmten Dingen ins Auge zu sehen. Da werden die Hände wieder in den Schoß gelegt und am Ende wills wieder keiner gewesen sein.
Was und Wer ist denn heute Schriftsteller? Fast jeder fühlt sich plötzlich auserkoren seine Memoiren zu schreiben. Ein Autor ist plötzlich einer, der seine melancholischen Erfahrungen aufs Papier bringt oder einfach nur noch "total abgefahrenes Zeug schreibt". Aber wo bleibt da die Verantwortung und die Aufgabe?
Literatur sollte nicht nur Unterhaltung sein, sie hat meines Erachtens eine wichtige Aufgabe und die liegt nicht im Bespaßen der Massen. Kaum einer geht noch zu Lesungen, dafür stehen Poetry Slams hoch im Kurs- bezeichnend wie ich finde. Bei einer LEsung von Christoph Hein betrug das Durchschnittsalter ungefähr 50. WARUM? Für mich unverständlich. Es ist nicht zu verstehen, warum ältere und jüngere Autoren so wenig aufeinander zugehen, obwohl das doch ein wichtiger Schritt wäre um die Qualität der Literatur und die Entstellung und das Abhandenkommen der Sprache einzudämmen.
In den Worten Ingeborg Bachmanns: "Wenn die Sprache eines Schriftstellers nicht stand hält, hält auch, was er sagt, nicht stand.[...]Wahrlich/ Einen einzigen Satz haltbar zu machen,/ auszuhalten in dem Bimbam von Worten./ Es schreibt diesen Satz keiner, der nicht unterschreibt."