Bedarf an Einführungs- und Überblicksliteratur zu Geckos ist durchaus gegeben, und das vorliegende Büchlein aus dem bede-Verlag ist eines von mehreren Werken, die auf diesen Bedarf zugeschnitten wurden.
Von diesen ist es eines der billigeren, doch leider nicht unbedingt das beste.
Auf der Minus-Seite zu verbuchen wären:
---Einige sachliche Fehler: Beispielsweise wird behauptet, die Inkubationstemperatur würde das Geschlecht der schlüpfenden Leopardgeckos folgendermaßen beeinflussen: Bei niedrigen Temperaturen schlüpfen Männchen, bei mittleren Weibchen und bei hohen wiederum Männchen. Tatsächlich ist es gerade umgekehrt: Weibchen - Männchen - Weibchen.
--- Eine unnötig lange Exkursion in die "Allgemeine Terraristik": Grillenzucht, Wachsmottenzucht, Rückwandgestaltung. Das alles ist in Spezialliteratur besser aufgehoben und kostet nur unnötig Platz. Wer ein Gecko-Buch kauft, will auch möglichst viel über Geckos lesen! Da nützt es auch nichts, daß der Text recht klein gedruckt ist, um möglichst viel davon unterzubringen.
---Eine eigenartige Bildredaktion: Zwar findet man mehr als 7 großformatige Photos von Leopardgeckos, aber andererseits keine einzige vernünftige Ganzkörperaufnahme von Tokehs oder Uroplatus henkeli (der ja mittlerweile öfter zu bekommen ist). Ein Photo des sehr populären Großen Madagaskar-Taggeckos gibt es zwar schon, aber es ist vergleichsweise winzig (doppelte Briefmarkengröße); ähnliches gilt für Wundergeckos, Paroedura pictus und Rhacodactylus. Warum hat man keines der unnötig vielen Leopardgecko-Photos entfernt um PLatz für Bilder anderer Arten zu gewinnen? Die eigentliche Stärke dieser Buchreihe, nämlich die eindrucksvollen Photos, kommt in diesem Band also leider nicht zum Tragen.
---Einige wichtige Arten und Gattungen fehlen: Der Faltengecko, Ptychozoon kuhli, die Bogenfingergeckos der Gattung Cyrtodactylus (die man jetzt oft im Handel und auf Börsen sieht), sowie Zwerg-und Kugelfingergeckos.
Positiv zu vermerken ist:
---Es wird trotzdem noch eine relativ weit gefächerte Anzahl von Arten und Gattungen behandelt, vom Leopardgecko über Dickfingergeckos bis hin zu Plattschwanzgeckos und Neukaledonischen Riesengeckos.
--Der Text (ursprünglich ja für den US-Amerikanischen Markt konzipiert) wurde wenigstens stellenweise auf europäische Verhätnisse hin abgewandelt.
Allerdings: Hermann Seufers Lehrmeister-Büchlein ist deutlich informativer, aber schlechter bebildert.
Fazit:
Wer schnell einen Überblick über diese Echsengruppe gewinnen will, findet hier ein nettes, relativ preiswertes Bilderbuch (mit den oben genannten Einschränkungen), das mit grundlegenden Informationen zu den gängigsten Arten aufwartet.
Ohne weiterführende Spezialliteratur wird es dann allerdings nicht gehen. (In diesem Zusammenhang sei auch auf die neue Art-für-Art-Reihe aus dem Natur-und-Tier-Verlag hingewiesen).