Die Autorinnen des Buches sind die Hebamme Ilona Schwägerl und Beate Jorda, Professorin und Historikerin, die ihr drittes Kind mit Hilfe von Ilona Schwägerl zu Hause entbunden hat. Im Vorwort formulieren die Autorinnen den Anspruch, ein Buch von Frauen für Frauen zu schreiben: 'Wir möchten den Frauen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben, das sie durch die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte leider oft verloren haben.' Es gehe ihnen darum, Frauen Mut zu machen, auf ihre Gefühle und Instinkte zu hören und sich die Geburt wieder zuzutrauen.
Das Buch beinhaltet eine Fülle von Tipps und Hinweisen zum Schwanger-Werden, Schwanger-Sein, zur Geburt und zum Wochenbett. Dabei werden ärztliche Kontrolluntersuchungen und Medizinalisierung von Geburt und Schwangerschaft kritisch betrachtet, während Hausgeburten befürwortet werden. Enthalten sind Daten und Erfahrungen, die die angebliche Gefährlichkeit von Hausgeburten in Frage stellen.
Die Hinweise sind eine bunte Mischung handfester und teilweise sehr esoterisch anmutender Ratschläge, die nur manchmal begründet werden. Einige Ratschläge wirken sehr seltsam: So wird zum Beispiel im Abschnitt über Ernährung in der Schwangerschaft zu Trennkost geraten und behauptet, dass es schädlich sei, Obst und Gemüse nach 18 Uhr zu verzehren. Auch wenn die Autorinnen explizit schreiben, dass sich jede Frau heraussuchen solle, was für sie passe, wirkt die Fülle der Hinweise eher kontraproduktiv: Wenn Schwangerschaft und Geburt wirklich so natürliche Vorgänge sind, warum ist dann so viel zu beachten?
Im Kapitel über das Stillen wird erfreulicherweise darauf eingegangen, welche Chancen die Stillbeziehung für Mutter und Kind birgt. Leider wirken aber auch hier einige der gegebenen Hinweise absonderlich: So wird empfohlen, die Brustwarzen zur Vorbereitung auf das Stillen mit einem 'guten Öl' einzureiben, obwohl einer Fachfrau bekannt sein sollte, dass eine solche Vorbereitung nicht nötig ist. Als Beispiel für ein 'gutes Öl' wird dabei Vaseline genannt, ein Billigprodukt der Petrochemie. Die Autorinnen betonen zwar, frau solle nach Gefühl stillen, am Ende des selben Abschnittes schreiben sie aber: 'Kinder, die zu Bauchschmerzen neigen, sollten nicht rund um die Uhr gestillt werden.' Es sei besser, 'ihnen genügend Zeit zum Verdauen zu geben'. Was dabei unter 'genügend Zeit' oder 'rund um die Uhr' verstanden wird, bleibt offen.
Ähnlich ambivalent sind die Empfehlungen zur Beikosteinführung: Es wird einerseits dazu ermutigt, Beikost nicht nach Plan zu geben, sondern auf die Signale des Kindes zu achten, um zu sehen, wann es Nahrung außer Muttermilch möchte und braucht. Andererseits enthält das Buch genaue Angaben was die erste Beikost sein müsse, welche Konsistenz sie haben müsse usw. Dass es Kinder gibt, die keinen Brei mögen, findet keine Erwähnung. Auch in diesem Kapitel gibt es unbelegte Behauptungen, wie die, dass Kinder vor dem ersten Lebensjahr keine Vollkornprodukte vertrügen oder die Empfehlung, man solle Kindern nach dem ersten Lebensjahr ein Ei pro Woche geben.
Auch Eltern selbst kommen zu Wort: Das Buch enthält in Kapitel 13 Hausgeburtsberichte von Müttern, Vätern und Paaren, in dem verschiedene Geburtserlebnisse beschrieben werden. Dabei wird oft der Weg beschrieben, den die Familien gegangen sind, bis sie sich Hausgeburten zugetraut haben.
Das Buch enthält einen umfangreichen Fundus naturheilkundlicher Hinweise für Probleme und Leiden während der Schwangerschaft und Geburt. Am Ende gibt es eigene Kapitel zu Akupunktur, Craniosacraler Ostheopathie, Homöopathie, Bach-Blüten und Aromatherapie. Ein Manko ist, dass Schwägerl bei diversen Beschwerden zum Genuss von Alkohol rät, ohne auch nur zu erwähnen, dass auch geringe Mengen Alkohol in der Schwangerschaft schädlich für das Ungeborene sein können.
Fazit: Das Buch löst das Versprechen, Mut zur Geburt zu machen, nur teilweise ein. Die Informationen sind zwar hilfreich und bestärkend, der Ton, in dem das Buch geschrieben ist, unterstützt jedoch nicht immer das Anliegen, Frauen zu stärken. Besonders in den Geburtsberichten erscheint Ilona Schwägerl als die tolle Koryphäe, die alles möglich macht. Die im Buch gegebenen Hinweise wirken teilweise belehrend und von oben herab gesprochen, so dass die Beziehung zwischen Mutter und Hebamme als eine hierarchische erscheint. An anderen Stellen wiederum gelingt es den Autorinnen, die Wärme zu vermitteln, die mit 'Geborgenheit und Würde' assoziiert wird.