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Die Geburt der Dritten Welt: Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter
 
 
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Die Geburt der Dritten Welt: Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter [Broschiert]

Mike Davis , Ingrid Scherf , Britta Grell , Jürgen Pelzer
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Mike Davis, geboren 1946 in Fontana/Kalifornien, ist einer der bedeutendsten Zeitdiagnostiker der Gegenwart.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Endlich mal was Neues 16. Januar 2005
Von unterwegs
Format:Gebundene Ausgabe
Lange habe ich auf dieses Buch gewartet und wurde nicht enttäuscht. Äußerst interessant, wie Davis' einen logisch erscheinenden Zusammenhang zwischen Entstehung der sogenannten "Dritten Welt", klimatologischen (Extrem-/Ausnahme-)Erscheinungen (primär El Nino/La Nina- Phänomene in den entsprechenden Regionen) und Kolonialismus bzw. Imperialismusbestrebungen, v.a. von den heute hoch industrialisierten, wohlhabenden Ländern Europas, herstellt. Dieser von Ihm entwickelte Kausalzusammenhang zwischen physisch-geographischen/meteologischen Erscheinungen einerseits und sozialen, gesellschaftlichen Entwicklungen andererseits ist meines Erachtens nach eine durchaus durchdachte Analyse der entsprechenden Historie und gerade im Zeitalter des Globalisierungsdiskurses hoch interessant. Er zeigt auf, dass bestehende (globale) Strukturen, eine Welt, geteilt in arm und reich, durchaus gewollt sind. Abseits von modernisierungs- und dependenztheoretischen (die sicher auch zu einem gewissen Maße hier eine Rolle spielen) Ansätzen, ein Versuch, aktuelle Entwicklungen und Verhältnisse plausibel zu erklären.
Fazit: Unbedingt lesen! Interessant, Innovativ, bedingt durch den komplexen historischen Hintergrund teilweise etwas schwierig, mit zahlreichen Quellen versehen- ein tolles Buch für den, der sich vielleicht etwas abseits vom Mainstream mit der entsprechenden Problematik befassen möchte.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Paramitas
Format:Broschiert
Dieses Buch von Mike Davis ist grundlegend für unser Verständnis all der Mythen über die Ursachen und Ursprünge der extremen Armut die sich noch immer in unserer Zeit halten in Zusammenhang mit all dem, was oft als Dritte Welt bezeichnet wird. Es stellt dar wie dieses Armut durch eine Welle von Verbrechen einst geschaffen wurde. Auch an Belegen für die "unheilvolle Wechselbeziehung zwischen klimatischen und ökonomischen Prozessen" fehlt es hier nicht.

Ein Faktor, der die Kolonisation massgeblich mitgeprägt hat, sind drei Phasen von Dürre- und damit Hungerkatastrophen, die sich von 1876 bis 1902 ereigneten und von denen der gesamte Monsungürtel sowie der Norden Chinas und Afrikas betroffen waren und bei denen bis zu 50 Millionen Menschen starben.

Davis schreibt: "Begierig nutzten die europäischen Weltreiche zusammen mit Japan und den USA die Gelegenheit aus, um weitere Kolonien an sich zu reissen, Gemeindeland zu enteignen und neue Ressourcen für die Plantagewirtschaft und den Bergbau zu erschliessen."
Diese Hungersnöte waren eine Begleiterscheinung der gnadenlosen Anwendung der Prinzipien des liberalen Kapitalismus, der just in diesem Zeitraum auf Geheiss von London weltweit Fuss fasste. Die Einbindung der Landwirtschaft in die globalen Märkte zerstörte lokale Strukturen der Nothilfe, zum Beispiel auf Basis von Getreidevorräten, die auch Armen das Überleben ermöglicht hatten. Mit den Zusammenhängen, die zu diesem weltweiten Drama geführt haben, das so gar nicht in den Geschichtsbüchern erwähnt wird, setzt sich der amerikanische Historiker Mike Davis detailliert auseinander.

"Das, was wir heute (') die "Dritte Welt" nennen, ist ein Produkt der Einkommens- und Vermögensungleichheiten - der berühmten "Entwicklungslücke", die vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden ist, als man begann, die grossen Bauernschaften ausserhalb Europas in die Weltwirtschaft zu integrieren."
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ente
Format:Broschiert
Dieses Buch ist eine Anklage: Anklage gegen die imperialen Mächte, die gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger tatenlos zusahen, wie in ihren Einflussgebieten schätzungsweise 50 Millionen Menschen verhungerten. Als Auslöser der insgesamt drei verheerenden Hungersnöte sieht Mike Davis die Wetterphänomene El Niño und La Niña. Als tiefere Ursache steht für ihn jedoch die Zerstörung einheimischer Subsistenzwirtschaft und Hungervorsorge durch die rücksichtslose Integration der Regionen in den Weltmarkt. Und als Ergebnis die Geburt der Dritten Welt", die durch die Folgen der Hungerkatastrophen nie mehr aufzuholende Entwicklungslücke großer Weltregionen.
Davis These von den großen Hungersnöten bzw. den unter imperialistischen Einfluss vorangetriebenen ökonomischen Strukturveränderungen als Hauptursache für die Rückständigkeit der betroffenen Regionen vermag ich nicht ganz zu teilen und ich hätte mir eine ergänzende Analyse innerer Faktoren gewünscht. Davis kommt jedoch der große Verdienst zu, die weitgehend unbekannten Ereignisse und Hintergründe der großen Hungerskatastrophen im Victorianischen Zeitalter präzise und insgesamt überzeugend zu analysieren und in das Bewusstsein der akademischen und breiteren Öffentlichkeit zu rücken. Zu Recht wurde das Werk 2002 mit dem Buchpreis der World History Association" ausgezeichnet und erschien in der LA Times Liste der besten Bücher 2001. Sein Buch besticht durch wissenschaftliche Genauigkeit, ausführliche Quellenarbeit sowie die außergewöhnlich gute Lesbarkeit: So wechseln sich Passagen im wissenschaftlichen Stil mit Prosa ab, der Text wird mit einer Vielzahl von Grafiken, Tabellen und Karten ergänzt, ausführliche Definitionen, ein Glossar und ein Personenindex bieten Orientierung. Möglich ist, dass sich Leser an den für Fachbücher eher ungewöhnlichen sehr eindrücklichen Schilderungen und Illustrationen der Hungerkatastrophen stören und sie als unwissenschaftlich zurückweisen. Ich persönlich empfinde diesen Stil jedoch als positiv, da er über die reine Faktenvermittlung hinaus zum Nachdenken über die Rolle Europas in der Welt anregt -in der Vergangenheit, aber auch ganz aktuell.
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