Dieses Buch von Mike Davis ist grundlegend für unser Verständnis all der Mythen über die Ursachen und Ursprünge der extremen Armut die sich noch immer in unserer Zeit halten in Zusammenhang mit all dem, was oft als Dritte Welt bezeichnet wird. Es stellt dar wie dieses Armut durch eine Welle von Verbrechen einst geschaffen wurde. Auch an Belegen für die "unheilvolle Wechselbeziehung zwischen klimatischen und ökonomischen Prozessen" fehlt es hier nicht.
Ein Faktor, der die Kolonisation massgeblich mitgeprägt hat, sind drei Phasen von Dürre- und damit Hungerkatastrophen, die sich von 1876 bis 1902 ereigneten und von denen der gesamte Monsungürtel sowie der Norden Chinas und Afrikas betroffen waren und bei denen bis zu 50 Millionen Menschen starben.
Davis schreibt: "Begierig nutzten die europäischen Weltreiche zusammen mit Japan und den USA die Gelegenheit aus, um weitere Kolonien an sich zu reissen, Gemeindeland zu enteignen und neue Ressourcen für die Plantagewirtschaft und den Bergbau zu erschliessen."
Diese Hungersnöte waren eine Begleiterscheinung der gnadenlosen Anwendung der Prinzipien des liberalen Kapitalismus, der just in diesem Zeitraum auf Geheiss von London weltweit Fuss fasste. Die Einbindung der Landwirtschaft in die globalen Märkte zerstörte lokale Strukturen der Nothilfe, zum Beispiel auf Basis von Getreidevorräten, die auch Armen das Überleben ermöglicht hatten. Mit den Zusammenhängen, die zu diesem weltweiten Drama geführt haben, das so gar nicht in den Geschichtsbüchern erwähnt wird, setzt sich der amerikanische Historiker Mike Davis detailliert auseinander.
"Das, was wir heute (') die "Dritte Welt" nennen, ist ein Produkt der Einkommens- und Vermögensungleichheiten - der berühmten "Entwicklungslücke", die vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden ist, als man begann, die grossen Bauernschaften ausserhalb Europas in die Weltwirtschaft zu integrieren."