"Wenn Deutsche Israel kritisieren", so der Untertitel des vorliegenden Buches, ist Streit vorprogrammiert und eine Menge teilweiser verlogener, teilweise anpasserischer political correctness ist im Spiel.
Bei dem hier dokumentierten, hauptsächlich über lange E-Mails ausgetragener Streitgespräch zwischen dem jüdischen Journalisten Henryk M. Broder, der bekannt dafür ist, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und der immer wieder die bundesdeutsche Öffentlichkeit wegen ihrer Haltung zu Israel und zuletzt noch häufiger wegen der Anpassung vieler intellektueller Eliten an den Islam heftig und polemisch kritisiert hat ("Hurra, wir kapitulieren!" und "Kritik der Toleranz'"und dem diplomatischen Korrespondent des Spiegel Erich Follath, der seinerseits nicht nur das Land Israel durch viele Aufenthalten gut kennt, sondern auch durch zahlreiche Reportagen über den Nahen und Mittleren Osten sich einen Namen gemacht hat als profunder Kenner der dortigen Lage und seiner schwierigen Ätiologie.
Die Leitfragen, um die es geht sind:
· Wie ist es zu bewerten, wenn die einzige Demokratie im Nahen Osten, Israel, als Besatzungsmacht Menschenrechte verletzt ?
· Sollen insbesondere Deutsche sich mit ihrer in der Sache berechtigten Kritik an der Politik Israels zurückhalten ?
· Oder ist es nicht gerade die Vergangenheit und das auch von Angela Merkel immer wieder betonte besondere Verhältnis ("Staatsräson"), das uns verpflichtet, dortige Missstände zu benennen ?
· Kann man von Deutschland aus Israel behandeln wie jedes andere Land ?
Die Debatte, die Broder und Follath hier führen ist scharfzüngig und extrem streitfreudig, immer aber von gegenseitigem Respekt geprägt. Das macht die Lektüre dieses Buches völlig unabhängig, davon, welches der zahllosen Argumenten pro und contra man jeweils überzeugend findet, zu einer erhellenden und unterhaltsamen Lektüre, die zeigt, wie man heute auch noch streuten kann, ohne "political correctness" allein mit den scharfen Waffen der Vernunft und des Arguments, die aber die Leidenschaft für eine Sache nicht aus dem Blick lässt.
Die beiden sind befreundete Kollegen und scheuen sich dennoch nicht, den jeweils anderen hart anzugreifen. Ein Resümee ist schwer zu ziehen, zu differenziert und vielfältig ist die Themenpalette.
Wer sich einen Überblick verschaffen will über diese oft nur verdeckt geführte Debatte, wer seine eigene Meinung vertiefen und mit Argumenten versehen will oder wer einfach nur einmal Lust hat an einer Debatte, wie man sie in unseren Medien heute so nicht mehr findet, weil da keiner länger als zwei, drei kritische Sätze aneinander reihen darf, eher er unterbrochen wird, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.