Schade. Ich kenne andere "Gebrauchsanweisungen für ..." und finde, dass die "Gebrauchsanweisung für Münster und das Münsterland" hinter dem Verlagsstandard zurückbleibt. Dieses Buch liest sich so, als ob es für Münsteraner geschrieben wurde, die an einem regnerischen Sonntagnachmittag gerne mal nachlesen möchten, wie toll ein Einheimischer seine Gegend findet. Außenstehenden wird mit diesem Buch jedenfalls wohl kaum Lust gemacht, das Münsterland näher kennenzulernen. Vielmehr werden mühevoll alle Punkte abgeackert, die das Infomaterial der städtischen Touristeninformation so hergibt: von auch überall sonst leicht nachzulesenden Histörchen bis hin zur Präsentation lokaler B-Promis. Das Ganze liest sich für mich dann wie eine Stadtmarketingbroschüre, die der Autor hier und da mit ein wenig Alt-68er-Ideologie aufzupeppen versucht hat.
Vom sprachlich-stilistischen Standpunkt her mehr als ärgerlich sind meines Erachtens in monotoner Regelmäßigkeit auftauchende Halbsätze, die sich wichtigtuerisch aufplustern wie ein Truthahn in der Balz, à la "[...]? Soll sogar in Münster existieren. [...]" oder '[...] Das deswegen so heißt, weil hier eine entsprechende Skulptur steht.' Für mich ist das gedankliche und sprachliche Faulheit, die sich ein impressionistisches Mäntelchen umhängt.
Richtig traurig ist wohl aber das Zweifeln, das sich einschleicht, wenn man weiß, dass der Autor dieser Gebrauchsanweisung auch Autor der Wilsberg-Romane ist: Ist das, was bei Wilsberg als bissiger Blick auf Münster erscheint, im Grunde vielleicht gar nicht schwarzhumorig, sondern doch nur die authentisch provinzielle Weltsicht des Autors?