Wer nichts über Indien weiß, der hat zumindest gehört, das die Religion in diesem Land allgegenwärtig ist und wer es darüber hinaus halbwegs verstehen will, wie zwischen Delhi, Bombay und Kalkutta gedacht und gefühlt wird, für den ist Gebrauchsanweisung für Indien genau das Richtige. Immerhin hat der Autor über sechs Jahre in Indien gelebt und verfügt so über viel Insiderwissen. Er hat in dieser Zeit Land und Leute, Religionen, Sprachen und Mentalitäten kennen und lieben gelernt. Mit ihm kann man sich auf eine vergnügliche Entdeckungsreise in das Land der vielen Widersprüche begeben, um die vielen Klischees die es über Indien zuhauf gibt, in ein richtiges Licht zu setzen. Klischees sind bekanntlich die hartnäckigsten Viren, die es gibt und gegen sie gibt es bekanntlich kein Allheilmittel.
Der Autor hat seinen etwas anderen Indienführer mit Hilfe von signifikanten und durchaus mehrdeutigen Begriffen aufgebaut. An Hand dieser Begriffe wie Guru, Mantra, Aum, Maya, Tamasha, Monsun usw. folgen wir dem Autor bei der interessanten Lektüre durch den heutigen Alltag. Er warnt vor Hochstaplergurus, Betrügergurus und Verrücktengurus, empfiehlt die Online - Gurus. Wir erfahren viel über kulturelle Kompetenz, die Mysterien des leidenschaftlich betriebenen Kricketspieles, die
Besonderheiten indischer Waschmaschinen, die Verwendung von Kondomen als Gleitmittel für Weberschiffchen, die Vielfalt des indischen Fernsehens, seine Erlebnisse als Nebendarsteller eine Bollywood-Films, und seine Begegnungen auf einer landestypischen Monsun-Willkommens-Party. Wir erfahren viel über Götter und eine fast öffentliche Erotik. Er beschreibt die drei Ebenen eines Tempelfrieses ebenso wie den Fakir auf seinem Nagelbrett. Und es gibt auch keine heiligen Kühe, weil etwas Heiliges ja angebetet wird und es gibt bekanntlich in Indien keinen Tempel der einer Kuh gewidmet ist. Es gibt Tempel die einer Ratte gewidmet sind.
Besonders beeindruckte ihn, wie die sich von ständigen Krisen geschüttelte Nation wie im Rausch auf den Goldesel Software stürzt. Endlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont.
Der Autor schwärmt von Indien, verschweigt aber auch nicht die grenzenlose Armut und den unvorstellbaren Dreck in den Städten. Die Menschlichkeit eines Ortes wird nicht von seiner Dreckigkeit bestimmt. Die Zukunft der Welt kann nur in der sozialen Gerechtigkeit liegen, und da muss Indien noch viel aufholen.
Fazit: Heilige Kühe werden geschlachtet, der Horizont erweitert.