Nun ist's amtlich, und der langjährige Auslandskorrespondent der "Süddeutschen Zeitung" beichtet in einem vergnüglich zu lesenden Vorwort: Er war's, der sich hinter dem Pseudonym "Maxim Gorski" verborgen hatte. Freilich war das Pseudonym im Laufe der letzten Jahre von immer weniger Geheimnissen umwittert, insofern ist's nur logisch, dass Koydl seine "Gebrauchsanweisung für Deutschland" nun unter seinem tatsächlichen Namen neu veröffentlicht. Ein Geheimnis war's ja eigentlich auch keines mehr.
In seiner der unveränderten Neuauflage vorangestellten Beichte erläutert Koydl nicht nur, wie und wieso es ausgerechnet zu diesem Pseudonym gekommen war, sondern er erläutert auch überraschende und erfreuliche Spätfolgen des Geistes von Rapallo... und noch einiges mehr.
Was nun die "Gebrauchsanweisung" selber betrifft: Sogar als ich dem Autor vor einigen Jahren noch ganz blauäugig auf dem Leim gegangen war und tatsächlich einen bemerkenswert landes- und sprachkundigen Russen als Verfasser vermutete, hat mir die Lektüre Spaß gemacht, und jetzt, im Nachhinein, kann ich sagen: Der Versuch ist Koydl gelungen, das eigene Land mit fremden Augen zu betrachten: Hinter der Pelzmütze eines Maxim Gorski versteckt, hat er Deutschland und die Deutschen genau studiert und beschreibt nun in lauter amüsant zu lesenden Kapiteln, worauf Anfänger und Fortgeschrittene unbedingt achten sollten, wenn sie mit Land und Leuten ohne größere Schwierigkeiten zurechtkommen wollen. Wie jede gute Satire bleibt auch diese "Gebrauchsanweisung" hart an den Tatsachen und widersteht der Verlockung, halbtote Klischees aus der Mottenkiste zu reanimieren.
Koydl übertreibt nicht (jedenfalls nicht allzu sehr), er komprimiert nur. Als recht versierter Kenner der deutschen Geschichte und als guter Beobachter führt er den Leser von Kapitel zu Kapitel nicht nur durch die Fährnisse des Landes, sondern beleuchtet auch geistreich die Hintergründe von allerlei befremdlichen Sachverhalten: Das geradezu wollüstige Metzeln der eigenen Muttersprache, die stupende Sauberkeit, das Bedürfnis nach Ordnung (egal ob in Sachen Mülltrennung, Juristerei oder Absetzbarkeit von Bestechungszahlungen von der Steuer), die gefährlichen Gepflogenheiten in Straßenverkehr und Einzelhandel oder das Nord-Süd-Gefälle in Sachen Intrigentalent -- Koydl nimmt alles genau unter die Lupe. Und wer sich beim Lesen dieses Buches nicht irgendwann ertappt vorkommt, der lügt.
Die Empfehlungen für das korrekte Verhalten z.B. bei roten Ampeln zu nachtschlafener Zeit, vorm Glascontainer oder bei Wohnungsbesichtigungen, die Warnungen vor unangemeldeten Besuchen und die zu treffenden Vorsichtsmaßnahmen zu Zeiten des Sommerschlussverkaufs dürften nicht nur für Fremde Goldes wert sein.