Diese Gebrauchsanweisungen erscheinen im Piper-Verlag massenweise, aber mich brachte meine Liebe zu "meinem" Ruhrgebiet dazu, es zu kaufen. Vielleicht könnte man es schon als Reiseführer beschreiben, aber als Ruhrgebietler ist es eigentlich ein Spiegel, der einem vorgehalten wird.
Hillenbach beschreibt so wunderbar das typische Ruhrgebiet, die Schrebergartenwirtschaft und das "Budentum", was nur im Ruhrgebiet so sehr ausgeprägt ist. Die Ruhrgebietler, sie sind mehr als loyal und eine ganz besondere Spezies.
Als "Ruhrpottler" hält man das alles für selbstverständlich, und man meint ganz plötzlich, alles ausserhalb des Potts muss Ausland sein.... weil dort anscheinend alles anders ist, man nur die gleiche Sprache spricht. Hillenbach schlägt Brücken von Haltern bis Gevelsberg und von Wesel bis Hamm. Von 1960 bis 2005. Von den Zechenstädten bis hin zur Diskothek in der ehemaligen Stahlhütte. Sehr gekonnt im übrigen. Und er zaubert ein Lächeln in das Gesicht eines kleinen Ruhrpott-Lokalpatrioten. Weil genau das, was man dort liest, eben das Ruhrgebiet ist.
Nach 165 Seiten Ruhrgebiet, politisch, geografisch und auch einfach menschlich betrachtet, dürfte auch jedem anderen, der nicht aus dem Pott kommt, klar sein, dass die berühmt berüchtigte Smogglocke nicht existiert, dass wir keinen Kohlestaub mehr auf der frisch gewaschenen Wäsche finden, und dass uns keine Grubenlampen auf der Stirn festgewachsen sind.
Viel mehr ist das Ruhrgebiet ein Lebensgefühl: Hervorgerufen durch die Renaturalisierung der Zechen, durch Freizeitangebote auf kleinstem Raum wie sonst nirgends, durch Currywurst und Manta-Teller und durch Filme wie "Bang Boom Bang" und "Manta Manta".
Lesen. Unbedingt Lesen. Und staunen....