Peter Struck ist Autor einer Reihe von Büchern über das Schulwesen. Er war Lehrer und hat heute eine Professur für Erziehungswissenschaften inne. In diesem Buch zeigt er, wie Kinder lernen und welche Erfordernisse sich daraus für die Gestaltung der Schule ergeben. Herausgekommen ist ein nachvollziehbarer und bis in praktische Details gehender Leitfaden, wie Schule (von der Vorschule bis ins Gymnasium) gestaltet werden müsste, um den heutigen Anforderungen zu genügen - und um den Kindern optimale Chancen zu geben zu können. Dieses Buch gehört den oft in ideologischen Grabenkämpfen verstrickten und verkrampften Bildungspolitikern zu jedem Frühstück vorgelesen. Pädagogen kennen das nun in der 2. Auflage erschienene Buch bestimmt schon - ich kann es mir gar nicht anders vorstellen. Tipp für Eltern: mitnehmen zum Elternsprechtag oder zur Elternbeiratssitzung!
Wir müssen uns entscheiden, sagt Peter Struck.
Deutschlands Schüler schneiden bei Schulleistungsvergleichen (PISA und Co) meist mittelmäßig ab, egal wie gemessen wird. Finnland und Kanada, beispielsweise, finden sich ganz oben. Oder, bei anderen Tests, Südkorea und Japan. Nicht jedem ist vielleicht bewusst, dass sich hier zwei Schulsysteme gegenüber stehen, die in den betreffenden Ländern auf ihre Weise optimiert wurden: die skandinavische und kanadische "Lernwerkstatt" und die Paukschule (mit Spitzenwerten auch bei Schülersuizidraten). Wenn wir in Deutschland nicht Mittelmaß bleiben wollen, müssen wir uns für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden. Dass Peter Struck für die zukunftsweisende "Lernwerkstatt" plädiert, dürfte keine Überraschung sein.
Rahmenbedingungen.
Die Bedingungen, unter denen Kinder heute aufwachsen haben sich verändert. Ebenso gewandelt hat sich, was Kinder lernen müssen. Beispielsweise passte die alte Volksweisheit "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" zu Untertanen eines Obrigkeitsstaates vergangener Zeiten. Sowohl lernpsychologisch, als auch im Hinblick darauf, dass eine Demokratie Bürger braucht, die sich ausdrücken können, ist dieser Spruch grundfalsch. Wir wissen heute, dass wir Dinge erst begreifen, wenn wir sie aussprechen. "Was ein Kind lernen soll, lernt es vor allem dadurch, dass es das zu Lernende einem anderen Kind zu erklären hat". Und, eine gute Schule wird darauf eingehen müssen, dass nicht nur Jungen und Mädchen verschieden sind, sondern dass auch jedes Kind einzigartig ist.
Endlich anpacken!
Peter Struck unternimmt einen famosen Ritt durch nahezu alle Aspekte des deutschen Schulsystems und beleuchtet politische Blockaden. Er destilliert aus der Ausgangslage, den Rahmenbedingungen und pädagogischen Erfahrungen (und Modellversuchen) fünfzehn "Gebote". Wie weiland Moses schleudert er sie uns entgegen. Es ist ein Leitfaden mit vielen Details und praktischen Hinweisen. Kinder wollen lernen, nicht belehrt werden, Lernen in Partnerschaft ist anderen Lernformen oft überlegen, das Gelernte erklären lassen, Lehrer als Lernberater und die notwendigen Rahmenbedingungen für Lehrer, einsame Lehrer haben es schwer (Teamarbeit), neben Fachlehrern braucht es Pädagogen (Klassenlehrer) und Einbindung der Eltern sind einige Inhalte der "15 Gebote".
Das Buch ist voll von Beispielen und streckenweise ausgesprochen unterhaltsam. Es ist Peter Struck gelungen eine Vision aus *einem* Guss vorzulegen, die weder theorielastig ist, noch ein oberflächlicher Ratgeber. Seine Vision ist mehr als eine ausgezeichnete Diskussionsgrundlage. Hoffentlich lernen möglichst viele Erziehungsverantwortliche dieses Buch kennen.