Ich bin gerade im zweiten Drittel meiner ersten Schwangerschaft, und da fällt die Wahl, welches Buch man denn nun lesen soll recht schwer.
"Geborgene Babys" habe ich gekauft, weil mir die bereits vorliegenden Kundinnenrezensionen zugesagt haben, und mich allgemein das Thema Bonding und Glücksfähigkeit sehr anspricht.
Ich muss sagen, ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen und bin platt.
Ich war bisher eigentlich recht neutral, was die Art der Geburt meines Kindes anbelangt, das Stillen, das Wickeln, das Füttern etc. Ich hatte eine Menge "so macht man das halt"-Meinungen verinnerlicht, ohne groß zu hinterfragen.
Dass eine Geburt im Krankenhaus stattfindet war für mich beängstigend aber völlig normal. Das macht "man" halt so.
Diese Buch ist absolut geeignet für Schwangere, die sich gerne auf andere Gedanken bringen lassen.
Es behandelt sehr subjektiv (die Autorin weißt auch ausdrücklich darauf hin!) die Themen Schwangerschaft (und hier vor allem Gedanken zu Vorsorgeuntersuchungen, Ultraschall, Ernähung etc.), Geburt (Krankenhaus kontra Geburtshaus und Hausgeburt), Stillen, Füttern, Wickeln, Schlafen etc.
Frau Dibbern zeigt in manchmal radikalen Bildern auf, dass es auch anders gehen kann, als die meisten als "normal" empfinden.
Manchmal musste ich schon schlucken, weil ich selten ein Buch gelesen habe, das so radikale Ansichten vertritt.
Aber es beginnt dann doch zu arbeiten. Die Gedanken werden mit der Zeit vertrauter, und ich habe begonnen, mich mit den Themen "natürliche Geburt", Stillen, Windelfrei etc. zumindest deutlich intensiver auseinanderzusetzen, als ich mir jemals hätte träumen lassen.
Manche Gedanken sind mir zu abstrus, bzw. passen einfach nicht in meinen Alltag (z.B. die vegane Ernährung). Aber Frau Dibbern weißt ja immer wieder darauf hin: Es ist subjektiv. Es soll kein moralischer Zeigefinder sein, und niemanden anklagen. Aber es soll zum Nachdenken anregen.
Und das hat es sehr nachhaltig getan.
Eine Warnung sei noch dazu geschreiben: Das Buch verlangt Emotionalität! Es verlangt, dass frau sich wirklich einlässt auf das Abenteuer Baby, mit all den Gefühlen, Verantwortungen, Glücksmomenten und auch Problemen, die auftreten können.
Wer sich die Gedanken des Buches zu Herzen nimmt kann nicht mehr sagen "Ach, heute bin ich zu faul, mich wirklich mit meinem Kind und seinen und auch meinen Gefühlen auseinanderzusetzen". Das Buch fordert volle Emotionalität, Bindungsfähigkeit, Glücksfähigkeit, und eine große Portion Mut, sich gegen gängige Meinungen auch von Hebammen, Frauenärzten, Kinderärzten und der lieben besserwisserischen Verwandtschaft zu behaupten.
Mir hat es großen Mut gemacht, mich auf meine eigenen Gefühle zu verlassen, und dem Abenteuer Baby mit deutlich mehr Gelassenheit, Vorfreude und auch Humor entgegen zu blicken.