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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieses Buch ist jedem Westdeutschen zu empfehlen., 30. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Geboren am 13. August (Gebundene Ausgabe)
Für einen geborenen DDR-Bürger ist wenig neues in dieser Autobiographie zu finden. Für alle (Westdeutschen), die sich mit der Geschichte der letzten Tage der DDR beschäftigen wollen, sei dieses Buch aber wärmstens ans Herz gelegt. Die Sicht eines Funktionärskindes bekommt man so schnell nicht wieder präsentiert. An einigen Stellen wäre eine gründlichere Darstellung wünschenswert gewesen. So hätte es mich schon interessiert, was in der Familie Bisky zum Gründungsaufruf des Neuen Forums im September 89 gedacht wurde. Der Autor war auch Redakteur beim Jugendsender DT 64: Auf die Resolution (aller) wichtigen DDR-Rockmusiker aus der gleichen Zeit wird nicht eingegangen. Daß die Eskapaden dieses Funktionärskindes (Z. B. als NVA-Offiziersanwärter beim Cruisen im Schwulenpark erwischt) keine Konsequenzen im DDR-System hatten läßt sich auch nur mit der schützenden Hand des Vaters erklären. Genau an diesem Punkt bleibt jedoch das Buch dünn. Der Autor muß Protektion durch seinen Vater genossen haben - alles andere halte ich für unglaubwürdig. Über das Verhältnis zu seinem Vater schweigt sich Jens Bisky aber recht hartnäckig aus. Trotzdem ist das Buch "rund". Das Buch ist nun einmal die Autobiographie eines (verwöhnten) DDR-Funktionärskindes. Es liefert einen erstaunlich ehrlichen Blick auf die DDR und was danach kam. Außerdem: Dieses Funktionärskind konvertierte vom NVA-Offizier zum Kulturredakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Keine schlechte Karriere - oder?
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom strebsamen Pionierhalstuchträger zum echten Demokraten, 5. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Geboren am 13. August (Gebundene Ausgabe)
· Ist's eine Autobiografie? Ein Geschichtsbuch? Ein Entwicklungsroman? Ja, Jens Biskys „Geboren am 13. August. Der Sozialismus und ich" ist alles drei. · Autobiografie: Der Autor berichtet detailliert über seine ersten 23 Lebensjahre, 1966 bis 1989. Just am fünften Jahrestag des Mauerbaus kam er im Osten Leipzigs zur Welt. Sein Vater ist der Medienwissenschaftler Lothar Bisky, damals 25-jähriger Student, heute PDS-Chef. Seine Mutter Almuth studierte damals ebenfalls noch, später war sie „Sektorenleiterin Kunstpolitik". (Was mag das gewesen sein? So etwas wie heute eine leitende Position im Kulturamt vermutlich.) Der Schriftsteller Hermann Kant war in den 80ern ihr Chef, überhaupt verkehrte sie mit etlichen DDR-Intellektuellen. Ende der 70er Jahre hatte sie sich zur inoffiziellen Mitarbeit bei der Stasi verpflichtet - heute verzeiht sie sich das nicht. Jens Bisky war zunächst ein vorbildlicher Pionier und FDJ-Aktivist, überzeugt von der DDR, abgesehen von gelegentlichem Unbehagen. „Wer unzufrieden war, hatte nur noch nicht versucht, das Beste daraus zu machen, zu sagen, was ihn störte", glaubte er. 1985 verpflichtete sich Jens Bisky, der Nationalen Volksarmee vier Jahre lang zu dienen. Zu dieser Zeit entdeckte er auch seine Homosexualität, geriet dadurch in Kreise, die DDR-kritisch eingestellt waren. Als die NVA-Vorgesetzten durch Zufall erfuhren, dass er schwul ist, begann ein Spießrutenlaufen. Der zuvor 100-prozentige Sozialist reagierte so, wie die meisten in der DDR reagierten: Er fing an, ein Doppelleben zu führen, ließ sich im Dienst nichts anmerken und nutzte alle Freiheiten, die er irgend kriegen konnte. Am Abend der Maueröffnung saß er im Kino bei der Premiere von „Coming out". Sein Freund Wolfram Witt hatte das Drehbuch geschrieben. Erst später erfuhr er, dass auch Witt für die Stasi gearbeitet hatte. Heute ist Bisky Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung. Am vereinigten Deutschland schätzt er das, was der DDR fehlte: politische Freiheit. „Keiner kann mehr willkürlich verhaftet werden. Man kann sich an eine unabhängige Justiz wenden. Es gibt eine freie Presse. Wir können montags und auch dienstags demonstrieren." · Warum „Geboren am 13. August" auch ein Geschichtsbuch ist, ergibt sich schon aus dem bereits Gesagten. In der Autobiografie gehen private Erlebnisse und DDR-typische Geschichte Hand in Hand. Bisky schreibt diskret. Er erzählt nichts, wovon er nicht glaubt, dass darin etwas über die eigene Biografie hinaus Gültiges ausgedrückt würde. In der NVA-Passage etwa dürften Abertausende eigene Erlebnisse wieder finden. · Auch warum „Geboren am 13. August" ein Entwicklungsroman ist, dürfte jetzt klar sein. Bisky zeichnet den Weg vom strebsamen Pionierhalstuchträger zum überzeugten, alles Dogmatische ablehnenden Demokraten nach. Nebenbei schreibt er in einem virtuosen Stil. ·
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
über die Banalität einer Diktatur, 27. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Geboren am 13. August (Gebundene Ausgabe)
Jens Bisky, geboren am 13.8.1956, groß geworden in Leipzig, beschreibt den alltäglichen Wahnsinn mit einer Präzision, die ich nur bewundern kann. Der angepasste, nein, vom DDR-Sozialismus damals Überzeugte erinnert sich an all die absurden Banner und Sprüche, mit denen wir alle traktiert wurden, die bis ins Intime gehende Kollektivierung und Überwachung, die Aussetzung vieler bürgerlichen Rechte, die uns längst in Fleisch und Blut übergegangen war, so dass wir sie erst mühsam nach der Wende wieder lernen mussten, die Selbstzensur im Kopf, die bis heute nicht ganz überwunden ist und vieles mehr. Ich hatte die peinliche Banalität des Regimes teilweise verdrängt und teilweise vergessen, aber Bisky nicht, der als NVA-Offizier ein Teil des Systems war und sich nach der Wende hilflos fragt, wie er, der so intelligent und idealistisch war, so blind sein konnte. Ich habe selten eine so schonungslose und ehrliche Rückschau auf die eigene DDR-Biografie gelesen wie die von Jens Bisky. Was für ein Mut, was für eine menschliche Größe, all das Erlebte weder zu einer Legende zu verarbeiten noch zu einer verbitterten Abrechnung.
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