Mit "Geblendet" legt Christopher Reich einen soliden Spionagethriller vor - zumindest soweit ich das beurteilen kann, denn in der Regel liegt mir dieses Untergenre nicht so. Zwar hatte ich auch hier zeitweise Probleme, den einzelnen Handlungssträngen zu folgen, die Geschichte selbst war aber spannend genug, mich dennoch zu fesseln. Wie immer bleibt für mich am Ende die Frage, was an diesem Roman reine Erfindung ist und was davon ein Fünkchen Wahrheit enthält. Ich fürchte nur, ich bin insgesamt zu unpolitisch, um das wirklich richtig beurteilen zu können.
"Geblendet" erzählt die Geschichte des Arztes Jonathan Ransom, der nach dem Unfalltod seiner Frau Emma entdecken muss, dass die Frau, mit der er seit 8 Jahren verheiratet war, nicht die war, die sie zu sein schien. Als er Gepäckstücke bei der Bahn abholen möchte, die angeblich seiner Frau gehört haben sollen, wird er auf offener Straße von zwei Männern angegriffen, die ihm die beiden Päckchen gewaltsam entreißen wollen und sich schließlich als Polizisten ausweisen. Doch für die beiden ist es zu spät: Jonathan setzt sich verwirrt zur Wehr und tötet einen der beiden noch auf der Straße, der andere erliegt später seinen Verletzungen. Von nun an wird Jonathan von der Polizei gesucht und weiß gar nicht, in was er da hineingeraten ist. Nach und nach zeigt sich, dass seine verstorbene Frau Geheimagentin war und die Ehe mit ihm wohl nur der Tarnung diente. Doch Jonathan will und kann jetzt nicht aufgeben: er will herausfinden, wer Emma wirklich war und für wen sie gearbeitet hat. Und so gerät er immer tiefer in den Sumpf der internationalen Geheimdienste und wird für alle Seiten eine Gefahr, die ausgeschaltet werden muss. Für Jonathan beginnt ein Wettlauf mit der Zeit...
Die logischen Zusammenhänge in diesem Thriller sind oft nicht einfach zu aufzudecken und die Motive der einzelnen Parteien sind alles andere als leicht zu durchschauen. Manche Sätze musste ich mehrmals lesen, um danach den Blick kurz vom Buch zu lösen, um in aller Ruhe über das Gelesene nachzudenken. Es gibt zu viele Seiten, von einem schlichten Plot, der auf der einen Seite die Guten und auf der anderen die Bösen hat, kann bei diesem Thriller wahrlich nicht die Rede sein. Insgesamt hat Reich die einzelnen Stränge gut entwirrt und seinem Roman damit eine Vielschichtigkeit verliehen, die die Spannung konstant oben hält, dennoch hat das Ende mich ein wenig enttäuscht. Nachdem man sich knapp 600 Seiten lang den Kopf über den geheimnisvollen Drahtzieher zerbrochen hat, kommt die endgültige Lösung doch recht flach daher - das bedeutet im Endeffekt einen Stern Abzug in der Bewertung.