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Gebaute Klausur: Funktion und Architektur mittelalterlicher Klosterräume
 
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Gebaute Klausur: Funktion und Architektur mittelalterlicher Klosterräume [Gebundene Ausgabe]

Renate Oldermann

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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Im März 2006 fand in Ebstorf das bereits siebte Kolloquium zur Geschichte des Klosters statt. Der Band zu der Tagung mit dem Titel »Kloster Ebstorf – gebaute Klausur eines Benediktinerinnenklosters in Niedersachsen« umfasst zwölf Aufsätze und zwei Abstracts, die zum einen dem Kloster Ebstorf selbst gewidmet sind, zum anderen vielfältigen Aspekten der mittelalterlichen Klosterbaukunst und Backsteinarchitektur. In Ebstorf in der Lüneburger Heide gab es zunächst ein Prämonstratenserstift, das bald nach seiner Gründung durch einen Brand völlig zerstört wurde. An seiner Stelle wurde ein Benediktinerinnenkloster gegründet, das seit der Reformation als evangelisches Damenstift weiter besteht. Mit der Baugeschichte, Geschichte und Ausstattung des Benediktinerinnenklosters Ebstorf befassen sich drei Aufsätze. Volker Hemmerich beleuchtet die bauliche Entwicklung von Kloster Ebstorf. Von dessen Vorgängerbau, dem Chorherrenstift, ist oberirdisch nichts erhalten. Auf den Fundamenten, die vom Brand verschont geblieben waren, wurde der Bau des Benediktinerinnenklosters errichtet. Dessen Baugeschichte von der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis ins erste Viertel des 16. Jahrhunderts ist geprägt von mehreren Umbauphasen, die durch Nutzungsänderungen bedingt waren. Besonderes Augenmerk legt Hemmerich auf die Geschichte eines besonderen Baukörpers, des Langen Schlafhauses. Dieses älteste Ebstorfer Klostergebäude besitzt im östlichen Teil des Erdgeschosses eine Holzkonstruktion, die dendrochronologisch auf 1275 datiert wird. Der im Norden Deutschlands völlig einmalige Bau mit seiner beeindruckenden Länge von 100 Metern und seiner repräsentativ gestalteten Nordfassade beherbergte die Nonnen- und Laiendormitorien, das Scriptorium und mehrere Küchen. Bernd Ulrich Hucker untersucht die Geschichte des Prämonstratenserstiftes und des Benediktinerinnenklosters in Ebstorf. Das in der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Stift hatte ein Mauritius-Patrozinium. Die Wahl dieses Heiligen deutet auf enge Verbindungen der Ebstorfer Gründung zum Magdeburger Domstift hin und ist wohl in Hinblick auf die Heidenmission jenseits der Elbe zu interpretieren, die vom Ebstorfer Stift ausgehen sollte. Nach der vollständigen Zerstörung durch das Feuer wurde in Ebstorf zwischen 1217 und 1220 durch Graf Heinrich von Schwerin ein Benediktinerinnenkloster gegründet. Das Patrozinium blieb weiterhin bei Mauritius, obwohl keine der beteiligten kirchlichen Institutionen (in Hildesheim, Verden, Walsrode, Hamburg und Schwerin) Bezug zu diesem Heiligen hatte. Hucker deutet die Beibehaltung des Patrons mit der Rolle des Mauritius als Ritterheiligem. In dieser Funktion war er für den Gründer, den Grafen von Schwerin, von großer Bedeutung. Dieser hatte im Jahre 1202 sein Gebiet an den dänischen König Waldemar II. »den Sieger« verloren. Mauritius sollte bei der Rückeroberung des Reichsgebietes und der Schweriner Besitzungen helfen. Die Bedeutung des Mauritius für das Kloster zeigt sich auch daran, dass er als einziger Heiliger auf der Ebstorfer Weltkarte namentlich genannt ist. Den Glasfensterzyklus im Nord- und Westflügel des Ebstorfer Kreuzgangs analysiert Olaf Siart. In keinem anderen deutschen Kloster ist eine derartige typologische Reihe von solchem Umfang erhalten geblieben. Der Ebstorfer Zyklus umfasst insgesamt 15 Fenster mit jeweils vier größeren und zwei kleineren Scheiben. Während die beiden kleineren mit Prophetendarstellungen geschmückt sind, zeigen die größeren Scheiben vier Szenen aus einem Kapitel des Heilsspiegels, in dem entsprechende Themen des Alten und des Neuen Testaments einander typologisch gegenübergestellt sind. Von den 34 bzw. 42 Kapiteln der beiden Heilsspiegelvarianten wurden 15 für die Ebstorfer Kreuzgangsverglasung ausgewählt. Sie schildern Leben und Wirken Christi von der Verkündigung an Maria bis zur Himmelfahrt Christi; inhaltliche Schwerpunkte liegen auf dem Weihnachts- und dem Osterfest. Die Themen des Fensterzyklus sind auf die Architektur von Kloster Ebstorf abgestimmt. So sind die beiden letzten Fenster, die sich neben dem Zugang zum Friedhof im Innenhof der Klausur befinden, Tod, Grablegung und Auferstehung gewidmet. Die weiteren Aufsätze des Bandes befassen sich anhand außerhalb Niedersachsens gelegener Bauten mit Aspekten der Klosterarchitektur und des Backsteinbaus im Mittelalter. So werden einzelne Bauteile mittelalterlicher Klöster auf ihre Funktion hin untersucht, wie die Refektorien, die Bibliotheken, die Bauten für Konversen im Kloster, die Trakte mit Schlafraum, Versammlungs- und Arbeitsräumen sowie die Orte der Klostervorsteherinnen in der Kirche und in der Klausur. Ein zweiter Themenkomplex ist der Backsteinarchitektur, ihrem Dekor und ihrer Konstruktionstechnik gewidmet. Weitere Beiträge behandeln die Klosterbaukunst des Mittelalters als hypätrales Perspektivsystem und das Einhornretabel aus dem Benediktinerinnenkloster Dambeck in der Altmark. Die Beiträge des Bandes befassen sich mit Themen aus verschiedenen Regionen Europas in ganz unterschiedlicher methodischer Herangehensweise. So wird auf der einen Seite ein sehr weiter Blick auf die mittelalterlichen Klöster, deren bauliche Gestalt und Funktion geboten. Auf der anderen Seite wirkt die Zusammenstellung der Aufsätze ein wenig disparat, da sie von Thema, Methodik und regionalem Schwerpunkt teilweise sehr weit auseinander liegen. Einen direkten Bezug zum Tagungsort hat (nur) ein kleiner Teil der Beiträge. Dennoch bleibt ein positiver Gesamteindruck, da sowohl zum Kloster Ebstorf als auch zu vielen funktions- und liturgiegeschichtlichen Fragen der mittelalterlichen Klosterarchitektur neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Der Band ist reich mit Grund- und Aufrissplänen, Schwarz-Weiß-Abbildungen und Farbtafeln ausgestattet. Matthias Ohm, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 81, 2009

Kurzbeschreibung

Das Buch fokussiert vielfältige Aspekte zum Themenkreis mittelalterliche Klosterbauten im norddeutschen Raum. Neben einer profunden Einführung in den ältesten Ebstorfer Klosterbau, das so genannte Lange Schlafhaus, und in die urkundliche und archivalische Überlieferung der Gründungsgeschichte des Klosters Ebstorf stehen Beiträge, die die Bestimmung der verschiedenen klösterlichen Funktionsräume und deren Zuordnung in den Grundrissen der Klausur beleuchten. Über den Klosterbereich hinaus gehen Studien, die sich mit den Kennzeichen und stilistischen Merkmalen, mit der Konstruktion und dem Dekor mittelalterlicher Backsteinarchitektur beschäftigen. Zwei abschließende kunsthistorische Interpretationen führen zum einen mit einer Abhandlung zur Ikonographie nach Ebstorf zurück und geben zum anderen einen Ausblick in die kulturelle und künstlerische Vernetzung norddeutscher Schnitzkunst.

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