Seit die Housemartins Mitte der 80er mit "Happy Hour" in das Bewusstsein der Musikwelt traten, bin ich ein absoluter Fan von Paul Heaton & Co., besitze jedes Housemartins- und TBS-Album und hatte sogar schon die Gelegenheit, Paul Heaton und David Hemingway bei einer After Show-Party nach einem Konzert persönlich kennen zu lernen. Die von einigen Musikredakteuren und Fans geäußerte Kritik am neuen Album "Gaze" verstehe ich überhaupt nicht. Da ist von überfrachteten Texten die Rede, von lust- und einfallslosen Arrangements, von unmotiviert dahin plätscherndem Mainstream-Pop, etc. pp.
Um es kurz zu machen: Für mich ist "Gaze" das erste TBS-Album seit "0898", das mich sofort beim ersten Hören gepackt hat! Schon die ersten beiden Nummern "Pretty" und "Just A Few Things That I Ain't" kommen so locker-beschwingt daher, dass man das Gefühl hat, als ob Paul in jüngster Zeit eine Frischzellenkur verpasst bekommen hätte. Bei "Life vs. The Lifeless" und "Let Go With The Flow" - den für mich absoluten Highlights des Albums - verstärkt sich dieser Eindruck. Man ertappt sich unweigerlich beim permanenten Betätigen des Back-Buttons am CD-Player, und die eingängigen Melodien und Refrains laden spätestens beim zweiten Hördurchgang bereits zum fröhlichen Mitsingen ein.
Zur neuen "Frontfrau" Alison Wheeler kann ich nur eines sagen: Spitzenklasse! Sie klingt wie die gelungene Symbiose aus Jacqueline Abbott und Brianna Corrigan und ist damit die perfekte stimmliche Ergänzung zu Paul und David. Ich hätte nie gedacht, dass Paul es schafft, eine Sängerin zu finden, die den schmerzlichen Abgang von Jackie so schnell vergessen macht. Zum Glück habe ich mich getäuscht. Hut ab!
Für mich gibt es auf "Gaze" keinen einzigen echten Tiefpunkt! Das Album bietet genau das, was man von TBS erwartet: Songs für jede Gelegenheit, die den grauen Alltag vergessen lassen, und inhaltsstarke Texte, bei denen man sich fragt, ob an Paul nicht ein erstklassiger Dichter verloren gegangen ist.