Heiß ging es her in der amerikanischen Schwulenszene nach Stonewall und vor AIDS. Dieser Film beschäftigt sich mit genau dieser Phase, als das schwule Leben in diversen amerikanischen Großstädten eine einzige Party war ' oder soll man es lieber Orgie nennen. Konsequent werden die Zeiten vor bzw. nach dieser Zeit weitestgehend ausgeklammert. Sicher erhält man Berichte aus der konservativen Zeit des Versteckens vor Stonewall, und natürlich besteht auch hier der heftige Einschnitt, als plötzlich eine mysteriöse Krankheit ihre Opfer fordert. Trotzdem kommen diese Zeitabschnitte eher am Rande vor, und der Film bleibt bei seinem Titelthema.
Ja, und wie gesagt, es ging heiß her. Ausschnitte aus privaten Videofilmen, eine Menge Fotos und natürlich viele Interviews mit Menschen aus der Szene beleuchten eine Zeit, in der schwule Pornos kaum Erfolg hatten, weil man ohne Probleme vielfach sozusagen reale Pornos erleben konnte. Deutlich merkt man den gealterten Zeitzeugen an, wie sie von dieser Zeit schwärmen, in der man sich in Saunen, Lastwagen, Darkrooms, an besonderen Stränden, Docks und wo auch immer sexuell völlig ausleben konnte. Dabei gibt es aber auch einige Stimmen, die durchaus darauf hinweisen, dass es schon vor AIDS Infektionskrankheiten gab, und auch der hohe Drogenverbrauch wird nicht ausgeklammert, aber auch nicht sehr hinterfragt.
Alles in allem ein sehr interessanter Zeitzeugenbericht, der Einblicke in eine Welt verschafft, die es so wohl nicht mehr geben wird. So ist es dann auch ganz witzig, wenn während des Abspanns junge Leute von heute befragt werden und die gute alte Zeit neidisch mit heute vergleichen. Das ist auch das Problem des Films für mich. Diese Zeitspanne wird nostalgisch beleuchtet und glorifiziert. Der Film beschränkt sich darauf, unkommentiert Filmmaterial, Bilder und Interviews zu zeigen, die ein Gefühl heraufbeschwören, als ob das Leben damals eine einzige Party gewesen wäre '- und für die schwule Szene in einigen amerikanischen Großstädten war es,' neben den negativen Seiten von Drogenkonsum und Infektionskrankheiten, sicherlich genau das. Aber das galt ganz bestimmt nicht für die ganzen 70er Jahre, für den gesamten amerikanischen Kontinent, nicht einmal für die gesamten betreffenden Städte. Nein, die Party fand nur für bestimmte Leute statt in örtlich begrenzten Bereichen, während die politische Schwulen- und Lesbenbewegung in den Kinderschuhen steckte und gegen die sehr realen Diskriminierungen zu kämpfen begann.
Trotzdem ist der Film spannend anzusehen und vermittelt ein ganz besonderes Lebensgefühl. Wer sich also nicht an den zu engen Klamotten, zeitweise eindeutigen Bildmaterial und deutlichen Worten stört und gleichzeitig interessiert ist an dem Mythos dieser Zeit, kann sich ein Bild machen von der Zeit, bevor die Party plötzlich vorbei war.
Der Film ist im Original mit Untertiteln zu sehen, aber nur spärlich mit Extras ausgerüstet (Trailer, Bildergalerie).