Gauntlgrym ist der Beginn weiterer Abenteuer des berühmtesten Dunkelelfen Drizzt Do Urden.
Die Hauptprotagonisten des Buches sind zum Teil aus Vorgängerwerken Salvatores bekannt (Drizzt, Jarlaxle, Bruenor, Athrogate), zu einem großen Teil aber auch neu (die Elfenkriegerin Dhalia und einige schön beschriebene "Bösewichte").
Im Gegensatz zu "Ghostking", in dem mir der Umgang mit dem nahenden Tod von Regis und Catti-brie aufgesetzt wirkte, entfaltet sich die Trauer in "Gauntlgrym" auf schaurig-schöne Weise. Der Tod der langjährigen Freunde von Drizzt und Bruenor wird dem Leser an vielen kleinen Stellen nähergebracht. Da der Leser die Helden der Halle lange Zeit selbst begleiten durfte, wird er diese Trauer um Wulfgar, Catt-brie und Regis am eigenen Leib erspüren.
Bei Catti-Brie und Regis hat man ja im letzten Buch ("Ghostking") den Tod miterlebt. Etwas schade ist, dass man über Wulfgar und seine Zeit in der Zauberpest nichts erfährt. Es ist aber davon auszugehen, dass er, wenn nicht im Kampf, dann an Altersschwäche gestorben ist, denn Gauntlgrym vollführt einige große Zeitsprünge (dazu gleich mehr).
Wieder schafft es Salvatore, seinen Helden Drizzt verändert und spannend zu zeigen. Durch den Tod seiner geliebten Frau und seiner Freunde ist aus ihm wieder mehr der kältere, wenig mitfühlende, Jäger geworden (wie schon zu Beginn der "Transistions-Reihe", als er Bruenor für tot hielt). Das Leid der altersresistenteren Rassen wie Drow und Zwerge wird einem durch die Trauer und Verbissenheit von Drizzt und Bruenor deutlich gemacht. Der düstere Dunkelelf, süchtig nach Kampf, brutaler als zuvor, hat mir gut gefallen.
Die neu eingeführte Elfenkriegerin Dhalia ist zwar typisch Salvatore nahe an der Übertreibungsgrenze, doch nicht zuletzt wegen ihrer einzigartigen Waffe und ihrer eigenwilligen Art schon jetzt meine Favoritin. Ich hoffe, dass man von ihr noch mehr lesen wird.
Ein Attentäter nahmens Barrabus der Graue hat auffallende Ähnlichkeiten mit einem gewissen Entreri, der aber natürlich aufgrund der Zeitsprünge längst nicht mehr leben dürfte.
Die Story ist nicht besonders überraschend, aber im Rahmen einer Fantasygeschichte trotzdem gut. Letztendlich geht es natürlich um die alte Zwergenbinge Gauntlgrym, die zu finden Bruenors letzter großer Lebenswunsch ist. Gut finde ich, dass man die Katastrophe um Niewinter durch die Augen der Antagonisten und Protagonisten selbst miterlebt (oft ist es ja so in Fantasygeschichten, dass das Erwachen des Bösen für den Leser eher mittelbar abläuft, hier ist er aber mittendrin!).
Zu den Zeitsprüngen. Es gibt mehrere Zeitsprünge in dem Buch, es müssten drei an der Zahl sein. Es geht hier nicht um Monate, sondern um Jahrzehnte. Es könnte sein, dass mancher Leser davon etwas abgeschreckt wird. Das ist aber nicht nötig. Die Zeitsprünge sind einfach ein Mittel, um die Legende um Drizzt Do Urden auf ein neues Level zu heben. Natürlich könnte man sagen, dass man die Geschichten um die Abenteuer vermisst, die Drizzt und Bruenor während der Jahrzehnte erleben (denn von Abenteuern ist durchaus die Rede). Dieser Gedanke kam mir auch. Andererseits könnten über diese Zwischenzeiten immer noch tolle Bücher geschrieben werden.
Insbesondere aber zu dem ersten Teil der Reise auf der Suche nach Gauntlgrym hätte ich mir etwas mehr versprochen (die Gefährten Drizzt und Bruenor brechen mit Nanfoodle dem Gnom, Pwent und einer halborkischen Priesterin auf). Statt dessen wird dann wieder ein Zeitsprung eingeführt und die Geschichte geht weiter, nach dem Nanfoodle und die Priesterin längst nicht mehr Teil der Gruppe sind.
Fazit: Tolle neue Charaktere, eine gute Story mit einem furiosen Finale und altbekannte Helden, die nicht langweilig geworden sind.
Mal wieder ein richtiger Volltreffer von Salvatore. Absolute Kaufempfehlung, ich bin gespannt auf die weiteren Teile der Reihe.