Da ist er ja wieder! Ulrich Wickert der einstige Mister Tagesthemen mit dem tröstlichen Lächeln, der mir wie kein anderer eine geruuuhsame Nacht gewünscht hat trotz aller globalen Katastrophen. Er geht mir wirklich ab, doch, wie gesagt, er ist ja wieder/immer noch da.
In seinem neuen Buch geht es wieder um Werte. Was ist uns eigentlich wichtig? Wer sich nun der Meinung anschließt, die ewige Diskussion um die so arg abstrakten Werte sei abgefrühstückt und praxisfern, irrt: wer sich in unserer heutigen Gesellschaft nicht immer und immer wieder bemüht, sich die Fundamente des humanum, Grundstock jeder staatlichen und sozialen Gemeinschaft, vor Augen zu führen Gerechtigkeit, Identität, Würde und Achtung des anderen, Toleranz läuft Gefahr, sich vom Wohlstand sättigen zu lassen. Wer sich nicht mehr nach verlässlichen Werten sehnt, sollte sich Gedanken machen! Denn wie ein gerechtes Miteinander gestalten? Wir gehen viel zu leichtfertig mit unseren Werten um. Wie leicht kommen sie abhanden. Historische Beispiele dafür gibt es zuhauf, müßig, die menschlichen Versäumnisse in Gegenwart und Vergangenheit aufzuzählen. Und dabei wirkt Wickert nicht so moralinsauer wie der Kollege Hahne. Wickert ist ein Mann von Welt, man merkt seinem Stil seine Erfahrungen im Ausland an. Ohne ins Plaudern oder gar ins Labern zu kommen, schreibt er leichtfüßig, mit witzigen Beispielen und kleinen Geschichten. Motto: Ernsthaft, aber nicht langweilig. Großes Thema in seinem Buch ist die Einwanderungsgesellschaft, wobei Wickert bei seiner Diskussion über die Identität der Deutschen nicht ungemütlich konservativ wird. Und es tut auch gut, dass mal einer sagt, dass man Gauner ruhig Gauner nennen darf. Denn nichts ist bedrückender, als die Scheu, Kritik zu üben, die Angst, anzuecken. Und nichts ist freier, willensfreier, als als Mitglied einer Demokratie selbstbewusst auftreten zu können. Wickerts Buch macht Mut, denn schließlich wollen wir alle nicht enden wie Kafkas Herr K.