Mit dem Jubiläumsband Ausgabe Nr.10 präsentiert sich der "Gault Millau Weinguide 2003" mit neuer Titelgestaltung. Ansonsten sind Form und Inhalt bis aufs i-Tüpfelchen gleich geblieben. Auch die Anzahl der Seiten hat sich im Vergleich zur Edition 2002 nicht geändert. Mit 663 besprochenen Winzern wird ein neuer Rekordstand erreicht, dafür ist die Zahl der verkosteten Weine leicht gesunken. Wie man von den Herausgebern Armin Diehl und Joel Payne gewohnt ist, wird dem Leser eine nahezu vollständige Palette der deutschen Spitzenweine und ihrer Erzeuger geboten. Besprochen werden hauptsächtlich die Weine des Jahrgangs 2001. Rotweinfreunde müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden: Aufgrund längerer Fassreife sind viele der edlen Tropfen erst im "Gault Millau 2004" zu finden.
Nach dem problematischen und manchmal etwas "grünen" Weinen des Jahres 2000 sollte der 2001er für Winzer, Konsumenten und Kritiker eigentlich durchweg Anlass zur Freude sein. Vor allem in den klassischen deutschen Anbaugebieten wie Rheingau und Mosel-Saar-Ruwer zählt 2001 zu den sehr guten Jahrgängen. Leider jedoch konnten einige Erzeuger - darunter auch ein paar Betriebe mit Kultstatus - die in sie gesetzten Erwartungen nicht immer erfüllen. In solchen Fällen nimmt der Gault Millau (wie gewohnt) kein Blatt vor den Mund. Wo Fehler und Mängel auftreten, werden sie unverblümt beim Namen genannt. Dies geschieht aber stets in sachlicher, nüchterner und durchaus konstruktiver Weise, meist verbunden mit dem Wunsch, dass sich die Dinge bald zum Besseren wenden mögen.
Man hat dem "Gault Millau" mitunter vorgeworfen, dass er zu oft und zu schnell kritisiert. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Soweit ich das beurteilen kann, sind die Herausgeber um Objektivität bemüht, auch was die verschiedenen Geschmackstendenzen (also trocken oder edelsüß) betrifft. Eine eindeutige Stellungnahme zu Produkten, die nicht gewisse Qualitätsmaßstäbe erreichen, ist mir bedeutend lieber als ein in gewundenen Sätzen verpackter "Verniedlichungsjournalismus" oder gar eine ungehemmte Lobhudelei, wie man sie in der Wein-Szene gelegentlich auch antrifft. Klar hat sich der "Gault Millau" mit dieser Einstellung nicht nur Freunde gemacht. Für den Verbraucher bleibt das Buch jedoch ein Glücksfall: Eine so umfassende und professionelle Darstellung der aktuellen deutschen Weine gibt es im hiesigen Sprachraum wohl kaum ein zweites Mal.