Max Goldt musste in seiner Anfangszeit als Autor mit äusserst schlecht verarbeiteten Ausgaben seiner Bücher leben, was er in einem seiner Texte humorvoll beklagt hat. Total zerlesene Exemplare vom eifrigen Schmökern? Nein, neu gekaufte Bücher, die so mies verarbeitet waren, dass sie bei geringster Beanspruchung auseinanderfielen.
Inzwischen erscheinen neue Bücher von Max Goldt als Hardcover bei Rowohlt und mit "Gattin aus Holzabfällen" gibt es nun den ersten Bildband des gebürtigen Göttingers. Ich hatte zuerst einen weiteren, nicht so gelungenen Katz-Goldt Cartoon-Band erwartet, als ich las, dass es hier um Mit Text versehene Bilder" geht. Tatsächlich sind es aber die, aus vielen von Goldts älteren Büchern bekannten, obskuren Fotos mit amüsanten Texten dazu. Anders als in den früheren Büchern sind die Texte dieses Mal deutlich ausführlicher. Oft ist der Bezug von Bild und Text nur sehr wage, etwa beim Foto des zornig dreinblickenden Vogels, dem Empörung über den Bau ein Katzenfutterfabrik unterstellt wird, was mich wiederum sehr zum Lachen gebracht hat, obwohl es schon sehr albern ist. Andere Aufnahmen, etwa die Werbung der FDJ ist sehr gut beobachtet und wird treffend beschrieben. Auch wenn sich im Buch keine Angaben dazu finden, es gibt weder ein Vorwort noch sonstige zusätzliche Infos zu diesem Bildband, scheinen die meisten Fotos aus 1970er und 80er Jahren zu stammen, viele wenig geglückte Werbefotos finden sich. Erstmals wurden diese Beiträge Goldts in der Titanic veröffentlicht, zwischen 2005 und 2009, wie das Impressum verrät.
Der Nahverkehrsplan von Altenburg in Thüringen ist nur eines der Beispiele dafür, dass Max Goldt mit offenen Augen und einem Blick für Komik durchs Leben geht, wie er es ja auch schon oft in seinen Texten geschildert und als Weg empfohlen hat, das Leben mit Humor zu nehmen und es damit schöner und spannender zu gestalten.
Das Holzabfälle-Foto, das diesem Buch seinen Namen gab, lässt sich als Kritik an moderner Kunst deuten, lustig ist es auch ohne weitere Deutung.
Mal nachdenklich, mal bissig, mal mehr und oft auch weniger tiefsinnig sind Goldts Gedanken zu den Fotos in diesem Buch. Sehr laut und sehr lange habe ich über den Satz mit dem Zaubergetreide Amaranth gelacht! Vielleicht deshalb, weil er so clever ist, vielleicht weil er provozierend und überraschend ist. Wahrscheinlich aber hauptsächlich deshalb weil mich Goldt wieder mal in seine, eigenwillige, schöne und lustige Welt hineingezogen hat. Eigentlich kenne ich seine Art des Humors doch schon, warum schafft er es trotzdem immer wieder mich zu überraschen, frisch und originell zu wirken? Ich schätze, weil er wirklich sehr, sehr gut ist!
"Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur!", allein schon für Goldts Antwort auf dieses Werbeposter gebührt dem Autor Dank und Lob! Dieses Buch stärkt die Abwehrkäfte, so oft hat es mich zum Lachen gebracht und darin bestärkt, dass es gut und richtig ist geistig beweglich zu bleiben. Mit Goldts Blick auf die Welt ist der Alltag weit weniger grau.