Ich bin, wie viele von Euch, Robert Jordan Fan der ersten Stunde. Ich mag Robert Jordans imaginative und konzeptionelle Kraft auch wenn er sich mitunter in immer kleinere Details verstrickte und seine Helden dadurch wie in Zeitlupe agierten. Auf der anderen Seite mag ich Brandon Sandersons Stil, da er Fantasy komplett anders schreibt, viel knapper und auf ein Ziel ausgerichtet, mit ebensolcher imaginativer Kraft.
Als ich hörte, dass Sanderson nun Jordans Werk fortführt, war ich sehr skeptisch, denn das schien mir ein zu krasser Stilbruch zu sein. Ich las das Buch in 4 Tagen durch. Was sich wie ein unvereinbarer Gegensatz darstellt wird zu einer tollen Erfahrung darin, wie man mit einer Kombination unterschiedlicher Erzählarten die Schwächen aus einem Werk herausdestillieren und die Stärken zweier guter Autoren zu einem sehr guten Werk kombinieren kann. Brandon Sanderson schafft es, Jordans Stil noch zu bereichern, indem er die unendlich vielen Handlungsfäden Jordans wieder harmonisch zusammenfügt und trotzdem Jordans liebgewordene Marotten mit übernimmt. Statt zupfender Zöpfe, alterslosen Aes Sedai Lächelns oder zusammengebissenen Zähnen gibt es jetzt bis zu 30mal im Buch "scharf gezügelte Rösser"oder "wundgeschlagene Hinterteile". Wenn Jordan schon mal knapp 2 Seiten brauchte, um das Aussehen eines Gebäudes zu beschreiben, kürzt Sanderson das zugunsten der Handlung auf ein Viertel und nutzt die Zeit, in der er sich auf die Motivationen und Gedanken mehrerer Personen schlaglichtartig konzentriert.
Aber am interessantesten ist: Er hat den Mut, wirklich etwas Neues zu beginnen und die Erzählung zu ändern:
Er versteht die Ungeduld der Leser, es müsse nach 11 Bänden Spannungsaufbau endlich was passieren und spiegelt sie in des Drachen steigender Ungeduld genial wieder. So staunt der Leser, wenn unser bisher weichgespülter Geduldsdrache plötzlich Aes Sedai ins Wort fällt, da sie ihm zu viel BlaBla produzieren, Ihnen gar mit sofortiger Exekution droht, wenn sie ihm noch mehr auf die Nerven fallen. Statt endloser Verhandlungen zwingt er die Seanchan auf nur 3 Kapitelseiten zu radikalen Entscheidungen, peitscht die Aiel und seine Begleiter von Stadt zu Stadt, mobilisiert seine Armeen wie Alexander im Handstreich und begleicht, quasi als Zwischenstopp, Rechnungen mit ihn nervenden Forsaken. All das in einem Endzeitszenario, wo das Böse die Realität immer mehr aufribbelt, wo die Spannung auch für normale Menschen greifbar wird, wo man auf 700 Seiten plötzlich atemlose Spannung fühlt und dann wirklich weiß, dass kann auch ein Sanderson nicht in einem Buch beenden. Der einzige Wermutstropfen für mich ist, dass Sanderson mit Mat gut, mit Egwene blendend aber mit Perrin gar nicht klarzukommen scheint.
Wer nicht mit Englisch auf Kriegsfuss steht, sollte sich die Geschichte kaufen, denn Brandon Sanderson schreibt einfaches und starkes Englisch ohne zu viele Fachworte oder blumige Ausschmückungen.
Das ist das bisher spannendste Rad-Der-Zeit Buch. Branderson hat offenbar einen irrwitzigen Trip durch das Finale vor und ich kann es kaum erwarten, in diesem Tempo weiterzulesen. Ganz im Gegenteil zur schlafmützigen Art eines George Martin will er den Abschluss und die alte Freude an diesem einmaligen Zyklus ist wieder da.