Wir kennen sie mit Dudelsack, Schalmei und allerhand anderen mittelalterlichen Instrumenten auf der Bühne: CORVUS CORAX. Nun sind diese aber Musiker mit Leib und Seele, kreativ, ehrgeizig und haben weit mehr Interessen als 'nur' mittelalterliche Klänge. So hat das Septett sich zu einer weiteren Gruppe formiert, anderer Stil, anderer Sound, aber mit der gleichen Leidenschaft: BERLINSKIBEAT. Im Anzug, mit blauem Hemd und schickem Hut treten sie auf und bieten moderne, tanzbare und mitreißende Musik. Am 03.08. haben sie ihr Debüt Gassenhauer auf den Markt gebracht ' und das kann sich hören lassen.
'Berliner Pflanze' hat etwas vom alten Charme aus Heimatfilmen der 1950er Jahre. Da ist ein leiser Hauch bekannter Klassik gemixt mit Trompetenklängen und natürlich den Drums, die nie fehlen dürfen. Nach einiger Spielzeit meint man auch, orientalisch angehauchte Klänge zu vernehmen. Sehr schöner Mix mit Berliner Schnauze.
'Kakwa Moma' ist ein seltsamer Titel. Doch der Beginn des Songs erinnert mächtig an die Trommelkünste von Norri und Co., der Gesang und die dann einsetzten Pfeifen könnten direkt von einem CORVUS CORAX Konzert stammen. Erinnerungen an 'The Drinking, Loving Dancers' vom Album Sverker werden wach, die Ähnlichkeit ist taktweise sehr groß!
Wie die Großstadt selbst, lebendig, springend und mit etwas, das ich als 'typisch Berlinerisch' bezeichnen würde, besingen die Sieben die 'Nacht in Berlin'. Wieder schön im Dialekt, klangvoll mit ein bisschen neudeutscher Partymusik versehen, kann man sich richtig gut in die Hauptstadt mit ihrem Nachtleben einfühlen.
Wer diese schönen, alten Filme kennt, etwa eine ältere Version von Zorro, der wird sich bei 'Quiero Bailar' direkt in diese hineinversetzt fühlen. Südamerikanischer, feuriger Rhythmus schallt aus den Boxen und es fehlen nur noch die Lampions, heiße Mexikaner und Sombreros ' meinetwegen auch Speedy Gonzalez, die schnellste Maus des Landes. Ein vollmundiges Stück, das einem ins Blut übergeht.
Ebenso südamerikanisch ist auch der folgende Song 'Fatima', der zwar wieder einen deutschen Text hat, aber die unverkennbare Trompete. Man muss nicht einmal mehr die Augen schließen, um sich 'die schönste Tänzerin im ganzen Land' vorstellen zu können. Die Melodie geht ins Ohr und gleich ins Blut über! Sehr gut komponiert!
Mechanisch klingt der Gesang von 'Heimweh', bis es dann an den Refrain geht und eben dieses lautstark bekundet wird. Für Berliner ist die deutsche Hauptstadt eben einfach das Größte, da erscheint alles andere so eintönig und leblos wie der Gesang der Strophen ' der, versteht mich nicht falsch, nicht schlecht ist, sondern im Gegenteil sehr gut den Text unterstreicht.
Wer erinnert sich noch an 'Dragostea din tei'? Der wird diese Assoziation zum Beginn von 'Heidutzki Tanez' auch haben. Dann folgt aber schöner Dudelsacksound, zu dem man sich wundervoll an den Schultern packen und die Beine in die Luft werfen kann. Hier finden sich auch elektronische Elemente, unterbrochen von einsamem Trompetenspiel. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig und eine mutige Mischung, die sicherlich nicht jedem gefallen wird, aber ein gutes Zusammenspiel verschiedener musikalischer Elemente ist.
'Miezen' kennen wir eher von FEUERSCHWANZ, daher ist auch erst mal die Erwartung da, den Hauptmann zu hören. Aber nein: Wir hören BERLINSKIBEAT und das ist auch gut so. Denn die Berliner Miezen sind eben ein feststehender Ausdruck und wer Berlin kennt, weiß auch sofort, wer und was gemeint ist. Schöner, swingender Sound, nicht nur zum Mitrocken sondern auch zum Mittanzen ' egal, ob man Standarttänze beherrscht oder freestylt.
Kommen wir mal zu den wichtigen Forderungen: 'Champagner für alle'! Ein guter Ansatz. Musikalisch wieder Trommeln und Blechbläser. Dazu passend einmal mehr schön Berlinerisch gesungen. Es ist ein herrliches Feierlied, absoluter Mitsinghit!
Wieder ein Filmbeispiel, aber die Musik ist derart gut durchdacht und derart malerisch, dass man einfach immer wieder daran erinnert wird. Dieses Mal sind es eher Zeichentrickfilme, die alten, in den Donald Duck ohne Worte, dafür mit herrlicher instrumentaler Untermalung sein Leben durchlitten hat. 'Feuerwehrmarsch' passt genau in solche Filme und lässt ein Feuerwerk an Erinnerungen aufblitzen. Zu Beginn mag man denken, dass nur die Zentrale beschrieben wird, bis es zum Alarm kommt und die Feuerwehr dann wirklich schnellsten ausrücken muss. Die Jagd durch die Straßen, einer hält sich am hinteren Teil des Löschwagens fest, waagrecht zum Asphalt durch die Luft fliegend und mit Mühe den Helm festhaltend. Es geht um Kurven, jemand weicht gerade so noch aus, immer schneller, immer eiliger geht es dahin ' dann wird gelöscht. Electrosound, der aus jeder Technodisco stammen könnte und den Löschvorgang vielleicht noch einmal anders beschreibt. Dann wieder der hastige Ritt zurück; Trommeln, Dudelsack und so weiter. Ein aufregendes Lied!
Dann wird's Bayerisch, wie sich das gehört! Ein bisschen erinnert der Anfang von 'Berlinski Beat' dann schon an 'unsere' Volksmusik. Besungen wird das Septett; in einer wilden Instrumentenvielfalt wird die Band vorgestellt. 'Gute Laune, all night long' ' und genau das bieten sie auch!
Ein großartiges Debütalbum. Die Musiker sind alte Hasen und wissen, wie man Menschen mit Musik begeistert. Das beweisen sie einmal mehr mit tanzbaren Stücken, die einen entführen ' sei es nach Südamerika oder nach Berlin. Mit ihren Songs erzählen sie Geschichten und schaffen es, den Hörer aus dem Alltag zu entführen. Sie malen musikalische Bilder und reißen mit. Ohrwurmpotential mit original Berliner Schnauze vom ersten bis zum letzten Lied. Der Albumtitel 'Gassenhauer' ist Programm!