In den 40er Jahren produzierte die britische Filmgesellschaft Gainsborough Pictures eine überaus erfolgreiche Serie von romantisch-abenteuerlichen Liebesgeschichten aus vergangenen Jahrhunderten, bekannt als die "Gainsborough Melodramas" oder "Gainsborough Gothics", von denen die heute noch bekanntesten "The Man in Grey" und "The Wicked Lady" sein dürften.
Hier also die heute etwas weniger bekannte Verfilmung des Romanes "Fanny by Gaslight" von Michael Sadleir.
Als die 19jährige Fanny (Phyllis Calvert) um 1880 nach 10jährigem Internatsaufenthalt nach London in ihr Elternhaus zurückkehrt, kommt sie gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, wie ihr Vater bei einem Streit mit Gerry Manderstoke (James Mason) getötet wird.
Bei einer folgenden Gerichtsverhandlung und am Sterbebett ihrer Mutter muss Fanny erfahren, daß ihr vermeintlicher Vater gar nicht ihr Vater, sondern ein Bordellbetreiber war und sie ihren leiblichen Vater aufsuchen soll.
Zu diesem entwickelt sie schnell eine innige Bindung, aber immer wieder kreuzt der finstere Lord Manderstoke ihren Weg, treibt indirekt ihren Vater in den Selbstmord und droht auch ihre sich anbahnende Romanze mit dem jungen Anwalt Harry Somerford (Stewart Granger) zu gefährden...
Eine aus heutiger Sicht merklich angestaubte Geschichte, gewiss, aber dennoch nicht ohne Reiz, der hauptsächlich aus einer sehr stimmungsvoll-atmosphärischen Inszenierung mit liebevoller Ausstattung, schöner Schwarzweißfotografie und vor allem sehr guter Besetzung resultiert.
Neben der bezaubernden Phyllis Calvert und dem sehr jungen Stewart Granger überzeugt vor allem James Mason in einer für die damalige Zeit für ihn typischen Rolle als eleganter, abgrundtief schlechter, aber dennoch gefährlich faszinierender Schurke. Wie er zum Beispiel seine Geliebte in einem Lokal demütigt und ihr dann auf ihre Frage, ob er sie denn gar nicht liebe, galant die Hand küsst, um dann "Nein" zu sagen, das macht ihm so charismatisch-böse so leicht keiner nach.
Leider sind seine Auftritte, obwohl er in den credits an zweiter Stelle nach Phyllis Calvert genannt wird, rar und als Fan fragt man sich, warum man ihn nach so großartigen Hauptrollen wie in "I Met a Murderer" (1939) oder "The Night Has Eyes" (1942) noch in so relativ kleine Rollen gesteckt hat.
Für mich knappe vier Sternchen, aber man sollte schon Fan des Genres, der Darsteller oder generell Freund nostalgischer Filme sein, um "Gaslicht und Schatten" genießen zu können.
Die hier rezensierte DVD enthält die ungekürzte Originalfassung, Achtung, es gibt auch eine ältere 90-Minuten-Fassung, in der unter anderem die Bordell-Thematik zur Erreichung einer früheren Altersfreigabe herausgeschnitten wurde.