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Nach den in der Wirkung unbedeutenden Einsätzen von Tränenreizstoffen durch Frankreich und Deutschlandvon Herbst 1914 bis Frühjahr 1915 öffneten deutsche Pioniere am 22. April 1915 bei Ypern erstmals die Ventile mehrerer tausend Chlorflaschen. Eine sechs Kilometer breite Wolke aus rund 150 Tonnen dieses toxischen Gases trieb gegen französische und britische Stellungen. Sie war das Ergebnis des Zusammenwirkens von Wissenschaft (Prof. Fritz Haber), chemischer Industrie (Prof. Carl Duisberg) sowie einiger naturwissenschaftlich-technisch aufgeschlossener Offiziere (Major Max Bauer). Von der deutschen militärischen Führung (General Erich von Falkenhayn), die zunächst wenig an einen Erfolg der neuen "Gaswaffe" glaubte, wurde der dabei erreichte taktische Durchbruch jedoch nicht ausgenutzt, so daß er keine operativen Auswirkungen hatte. Allerdings wurde der formal die Haager Landkriegsordnung nicht verletzende Chloreinsatz nun rasch zum Ausgangspunkt größter Anstrengungen von Naturwissenschaftlern und chemischer Industrie in allen kriegsbeteiligten Staaten zur Entwicklung weitaus toxischerer und wirksamerer chemischer Waffen, aber auch entsprechender Gasschutzgeräte.
Sehr bald vermischte man auf deutscher Seite das Chlor mit dem tödlichen Phosgen. Im Februar 1916 setzte Frankreich die ersten Phosgengranaten ohne Splitterwirkung ein; nur wenige Monate später brachte Deutschland neue, mit Diphosgen gefüllte GrünkreuzGranaten an die Front. Auch Großbritannien und Rußland standen nicht zurück. So verschoß Rußland im August 1916 zum ersten Mal Grananten mit Chlorpikrin, das von Deutschland und Großbritannien im Gemisch mit Chlor auch für Blasangriffe verwendet wurde. In Großbritannien orientierte man sich bis zum Kriegsende besonders auf die Perfektionierung des Blasverfahrens, entwickelte mit den Livens- und Stokes-Werfern aber auch völlig neue Einsatzmittel, mit denen in begrenzten Abschnitten höchste Konzentrationen erreicht werden konnten.
Mitte 1917 erschien ein völlig neuartiger Kampfstoff an der Front, das als "Maskenbrecher" bekannt gewordene deutsche Blaukreuz, wenig später gefolgt vom deutschen Gelbkreuz. Auch hier zogen die Alliierten unter Konzentration aller wissenschaftlichen und industriellen Kräfte in relativ kurzer Zeit nach. Insgesamt wurden im Ersten Weltkrieg etwa 125 000 Tonnen Kampfstoffe eingesetzt. Der Anteil der Gaswaffe an den Gesamtausfällen von etwa 35 Millionen Menschen und 10 Millionen Toten dürfte bei über 1 Million Vergifteten und 70 000 bis 90 000 Toten gelegen haben.
Dennoch war der Gaseinsatz im Ersten Weltkrieg noch ein wenn auch grausames "Experiment", das die Gefahren der chemischen Waffe in zukünftigen Kriegen erahnen ließ, vielleicht aber später auch dazu beitrug, Deutsche und Alliierte von einem in seinen Auswirkungen nicht kalkulierbaren Einsatz im Zweiten Weltkrieg abzuhalten. ISBN 3-7637-5952-2
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein schockierendes Buch,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Gaskrieg 1914/1918 (Gebundene Ausgabe)
Der Gaskrieg 1914-1918 war für mich ein schockierendes Buch , da beschrieben wird , mit was für einem Aufwand die Entwicklung und Erprobung dieser Kampfstoffe betrieben wurde. Sehr beklemment ist auch das viele Naturwissenschaftler mit einem klangvollen Namen wie z.B. Otto Hahn , Emil Fischer oder Haber an der Entwicklung dieser Stoffe mitgewirkt haben. Es wird auch beschrieben wie geschickt auf Seiten der Mittelmächte Abfallprodukte aus zivilen Verfahren zur Giftproduktion eingesetzt wurden. Für jemadnen der sich für diese Thematik interesiert stellet dieses Buch eine wertvollen Bereicherung dar. Allerdings sollte man ein Grundwissen über Chemische Vorgänge haben um das Buch richtig zu verstehen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein tiefegreifende Beschreibung des Sachverhaltes,
Rezension bezieht sich auf: Der Gaskrieg 1914/1918 (Gebundene Ausgabe)
Der Autor beschreibt in diesem Buch die Entwicklung von chemischen Kampfstoffen und deren Einsatz im 1. WK. Für mich als Chemiker ein interessantes Thema. Allerdings sollte beachtet werden, daß dieses Buch keine allgemeine, oberflächliche Einführung darstellt. Will jemand diese Bebiet langsam kennenlernen empfehle ich das Buch "Chemische Kampfstoffe" von Jochen Gartz. Das Buch "Der Gaskrieg 1914-1918" ist mitunter etwas hart zu lesen, da man es mit einer unglaublichen Vielzahl an Namen (Forscher, Offiziere u.a.) zu tu hat und das Buch (für meinen Geschmack etwas zu langatmig) auf kriegspoltitische Entscheidungen und Befehle rund um die Entwicklung der Stoffe eingeht. Die wissenschaftlische Seite steht meines Erachtens zu sehr im Hintergrund.
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