Unübersichtlich und
überladen mit Bildern.
Das war mein erster Eindruck, als das Buch Anfang April ankam.
Zwar gibt es ein Inhaltsverzeichnis, dieses ist jedoch kurz und wenig aussagekräftig. Letztendlich erfährt man darin nur, dass dieses Buch nach Jahreszeiten gegliedert ist, beginnend mit dem Frühling bis hin zum Winter. Zusätzlich ist bei jeder Jahreszeit angegeben, welche Früchte/Gemüse speziell porträtiert werden. Die Seitenangabe, wo man diese Frucht/Gemüse findet, fehlt jedoch. Ebenso wie Hinweise auf die Rezepte. Immerhin findet man die Rezepte im Register am Ende des Buches.
Fängt man an zu schmökern, dann fallen vor allem die vielen, vielen Bilder auf: Abbildungen der Rezepte, Bilder der einzelnen Früchte/Gemüse bei den Porträts, und leider auch viele weitere kunterbunte und großformatige Lückenfüller, die völlig überflüssig sind, und keinerlei Information vermitteln. Durch diese unnötigen Bilder wirkt das Buch meiner Meinung nach nicht nur überladen, sondern wird auch völlig unübersichtlich. Wie man es besser machen kann, zeigt uns Jill Norman in
Kräuter und Gewürze: Herkunft, Geschmack, Verwendung, wo die einzelnen Kapitel durch unterschiedliche Hintergrundfarben (Pastell, nicht grell und bunt!) erkennbar sind. Die dortige Gestaltung hat mich voll und ganz überzeugt. Transparent und übersichtlich. Schade nur, dass man die Kräuter/Gewürze nicht alphabetisch sortiert hat.
Zurück zu diesem Buch:
Die Informationen für die Gärtner unter uns sind kurz, knapp und sehr oberflächlich. Es sind wirklich nur Anreize, es mal selber mit einem Garten zu versuchen, aber kaum ausreichende Hilfestellungen, wie man es umsetzen soll.
Und die Rezepte?
Manchmal wird nur ein (1!) Rezept pro Frucht/Gemüse angeboten, manchmal auch mehrere. Das eine oder andere mag selbstverständlich erscheinen (z.B. der Frühlingszwiebel-Kartoffel-Salat). Bei genauerem Hinschauen entdeckt man jedoch auch bei diesen scheinbar einfachen Dingen raffinierte oder ungewöhnliche Ideen (z.B. im Falle des o.g. Salates die Verwendung von Piment, Kreuzkümmel, Paprika und süßsauer eingelegten Gurken). Die Beschreibungen sind ausführlich und gut kochbar. Tipps sind vorhanden. Die Zutaten sind im Allgemeinen einfach erhältlich, lediglich bei den verwendeten Gewürzen sind gelegentlich ein paar Exoten dabei. Jedenfalls steht bei mir daheim kein
Marcis (auch Muskatblüte genannt) im Schrank, dafür habe ich allerdings
Muskatnüsse.
Was mir bislang besonders gemundet hat (manchmal etwas abgewandelt wg. fehlender Bestandteile): Erbsen-Reis-Puffer mit Minze und Knoblauchgemüse (bei mir ohne Minze), Rhabarber-Topfen-Omelett, Frühlingszwiebel-Dinnete (ich dachte bislang eigentlich, dass es DINNELE heißt, man lernt nie aus), ausserdem das marinierte Gartengemüse und Chimichurri, welches im Buch mit BBQ-Steaks und Knoblauchkartoffeln kombiniert wird. Chimichurri ist ein Paprikagemüse mit Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Tomaten, einem Lorbeerblatt, Oregano, Chiliflocken und noch ein paar anderen Dingen. Lecker!
Mein Fazit:
- Zu viele unnötige 'Füll'-Bilder
- Dadurch zu unübersichtlich
- Das Inhaltsverzeichnis ist zu rudimentär
+- oberflächliche Garteninformationen
+ Leckere Rezeptideen
+ Gut beschrieben
+ Gut nachkochbar
==> Alles in allem ein OK und 3 Sterne.
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Anm.: Eigentlich hatte ich mir bei Kauf dieses Buches vor allem weiterführende Verarbeitungstipps erhofft, so wie sie Hans Gerlach in seinem Buch
Kochen (fast) ohne Rezept: Wie man Steak salzt, wie Risotto cremig wird und warum Champagner perlt präsentiert. Diese Art der Information fehlt! Bei und in den Rezepten sind zwar hin und wieder nützliche Tipps enthalten, jedoch in keiner Weise so ausführlich wie ich es von KOCHEN (FAST) OHNE REZEPT gewohnt bin. Schön wäre es, würde Herr Gerlach ein weiteres
Kochen (fast ohne Rezept) ausschließlich für Obst und Gemüse veröffentlichen. Nur so ein Wunsch.