Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Gartenfest
OT The Garden Party and Other Stories OA 1922 DE 1937 Form Kurzgeschichten Epoche Moderne
Die moderne Kurzgeschichte (Short Story) ist eine Erfindung der englischsprachigen Literatur. Bei Autoren wie Katherine Mansfield, James R Joyce und D. H. R Lawrence avancierten Kurzgeschichten zu assoziationsreichen Texten, die oft keine Handlung im herkömmlichen Sinn erkennen lassen. Mansfield vollendete das Genre nicht zuletzt, weil die Kurzgeschichte bis zu ihrem frühen Tod ihre einzige literarische Ausdrucksform blieb.
Entstehung: Das Gartenfest war nach Prelude (1916) und Seligkeit (1921) Mansfields dritter Band mit Kurzgeschichten und der letzte, der vor ihrem Tod veröffentlicht wurde. Viele Geschichten erschienen zunächst in Magazinen wie dem London Mercury oder Sphere.
Inhalt: Die Skizzen und kurzen Erzählungen, die in Neuseeland und England spielen, handeln nicht von dramatischen Ereignissen, sondern sind minutiöse Charakter- und Genrestudien. Klimax der Geschichten ist kein plötzlicher Wendepunkt, allenfalls gibt es eine plötzliche Erhellung im Leben der Figuren, die für sie zwar weit reichende Konsequenzen haben kann, aber nur als schweigende Wahrnehmung dargestellt wird.
Die Geschichten bilden miteinander ein komplexes Beziehungsgeflecht. Am auffälligsten ist das Thema des Todes, das sich wie ein roter Faden durch alle Erzählungen zieht. In der Titelgeschichte werden die Gäste eines Gartenfestes mit dem tragischen Tod eines weniger privilegierten Mannes konfrontiert. Die längste Kurzgeschichte, An der Bucht, die in ihrer Vielschichtigkeit an den Roman Die Wellen von Virginia R Woolf erinnert, basiert auf Reminiszenzen an die Kindheit und Jugend der Autorin. Ein Grund für die Modernität ihrer Geschichten liegt auch darin, dass Frauen sich in ihnen gegen das klassische Rollenverhalten wehren. So zeigt beispielsweise die Protagonistin Linda Burnell in An der Bucht, dass es so etwas wie einen Mutterinstinkt nicht gibt.
Struktur: Bei Mansfield ist wie bei vielen anderen Autoren der Moderne die Konzentration auf einen bestimmten Augenblick erkennbar. Generell vermitteln die 15 Geschichten ein Gefühl von großer Dringlichkeit. Charakteristisch sind ihr experimenteller Stil, die Art, wie die Erzählstimme auf viele Figuren verteilt wird. Ein generalisierender Erzählerstandpunkt fehlt. Wie bei James R Joyce in Dubliner ist die Distanz des Erzählers zum Erzählten verringert. Die Technik der erlebten Rede und des Bewusstseinsstroms (stream of consciousness, R Stichwort S. 1169) lässt Gedanken, Reflexionen und Gefühlsregungen der Figuren unmittelbar zum Ausdruck kommen. Die Sprache ist der Stimmung der Charaktere angepasst.
Wirkung: Simone de R Beauvoir zitierte in ihrem umfangreichen Werk Das andere Geschlecht (1949) die autobiografisch gefärbten Geschichten von Mansfield, weil sie ihrer Meinung nach die Prozesse sichtbar machen, die Frauen in einem häuslichen Kontext verorten. Die Kurzgeschichten von Katherine Mansfield haben eine Form perfektioniert, in der es weniger auf das ankommt, was gesagt wird, als auf das, was zwischen den Zeilen zu lesen ist. Wieder aufgegriffen und erweitert wurde diese Schreibweise in den 1980er Jahren von Raymond R Carver. K. v. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Das Gartenfest
OT The Garden Party and Other Stories OA 1922 DE 1937 Form Kurzgeschichten Epoche Moderne
Die moderne Kurzgeschichte (Short Story) ist eine Erfindung der englischsprachigen Literatur. Bei Autoren wie Katherine Mansfield, James R Joyce und D. H. R Lawrence avancierten Kurzgeschichten zu assoziationsreichen Texten, die oft keine Handlung im herkömmlichen Sinn erkennen lassen. Mansfield vollendete das Genre nicht zuletzt, weil die Kurzgeschichte bis zu ihrem frühen Tod ihre einzige literarische Ausdrucksform blieb.
Entstehung: Das Gartenfest war nach Prelude (1916) und Seligkeit (1921) Mansfields dritter Band mit Kurzgeschichten und der letzte, der vor ihrem Tod veröffentlicht wurde. Viele Geschichten erschienen zunächst in Magazinen wie dem London Mercury oder Sphere.
Inhalt: Die Skizzen und kurzen Erzählungen, die in Neuseeland und England spielen, handeln nicht von dramatischen Ereignissen, sondern sind minutiöse Charakter- und Genrestudien. Klimax der Geschichten ist kein plötzlicher Wendepunkt, allenfalls gibt es eine plötzliche Erhellung im Leben der Figuren, die für sie zwar weit reichende Konsequenzen haben kann, aber nur als schweigende Wahrnehmung dargestellt wird.
Die Geschichten bilden miteinander ein komplexes Beziehungsgeflecht. Am auffälligsten ist das Thema des Todes, das sich wie ein roter Faden durch alle Erzählungen zieht. In der Titelgeschichte werden die Gäste eines Gartenfestes mit dem tragischen Tod eines weniger privilegierten Mannes konfrontiert. Die längste Kurzgeschichte, An der Bucht, die in ihrer Vielschichtigkeit an den Roman Die Wellen von Virginia R Woolf erinnert, basiert auf Reminiszenzen an die Kindheit und Jugend der Autorin. Ein Grund für die Modernität ihrer Geschichten liegt auch darin, dass Frauen sich in ihnen gegen das klassische Rollenverhalten wehren. So zeigt beispielsweise die Protagonistin Linda Burnell in An der Bucht, dass es so etwas wie einen Mutterinstinkt nicht gibt.
Struktur: Bei Mansfield ist wie bei vielen anderen Autoren der Moderne die Konzentration auf einen bestimmten Augenblick erkennbar. Generell vermitteln die 15 Geschichten ein Gefühl von großer Dringlichkeit. Charakteristisch sind ihr experimenteller Stil, die Art, wie die Erzählstimme auf viele Figuren verteilt wird. Ein generalisierender Erzählerstandpunkt fehlt. Wie bei James R Joyce in Dubliner ist die Distanz des Erzählers zum Erzählten verringert. Die Technik der erlebten Rede und des Bewusstseinsstroms (stream of consciousness, R Stichwort S. 1169) lässt Gedanken, Reflexionen und Gefühlsregungen der Figuren unmittelbar zum Ausdruck kommen. Die Sprache ist der Stimmung der Charaktere angepasst.
Wirkung: Simone de R Beauvoir zitierte in ihrem umfangreichen Werk Das andere Geschlecht (1949) die autobiografisch gefärbten Geschichten von Mansfield, weil sie ihrer Meinung nach die Prozesse sichtbar machen, die Frauen in einem häuslichen Kontext verorten. Die Kurzgeschichten von Katherine Mansfield haben eine Form perfektioniert, in der es weniger auf das ankommt, was gesagt wird, als auf das, was zwischen den Zeilen zu lesen ist. Wieder aufgegriffen und erweitert wurde diese Schreibweise in den 1980er Jahren von Raymond R Carver. K. v. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Die Skizzen und kurzen Erzählungen, die in Neuseeland und England spielen, handeln nicht von dramatischen Ereignissen, sondern sind minutiöse Charakter- und Genrestudien. Klimax der Geschichten ist kein plötzlicher Wendepunkt, allenfalls gibt es eine plötzliche Erhellung im Leben der Figuren, die für sie zwar weit reichende Konsequenzen haben kann, aber nur als schweigende Wahrnehmung dargestellt wird. Die Geschichten bilden miteinander ein komplexes Beziehungsgeflecht. Am auffälligsten ist das Thema des Todes, das sich wie ein roter Faden durch alle Erzählungen zieht. In der Titelgeschichte werden die Gäste eines Gartenfestes mit dem tragischen Tod eines weniger privilegierten Mannes konfrontiert. Die längste Kurzgeschichte, An der Bucht, die in ihrer Vielschichtigkeit an den Roman Die Wellen von Virginia R Woolf erinnert, basiert auf Reminiszenzen an die Kindheit und Jugend der Autorin. Ein Grund für die Modernität ihrer Geschichten liegt auch darin, dass Frauen sich in ihnen gegen das klassische Rollenverhalten wehren. So zeigt beispielsweise die Protagonistin Linda Burnell in An der Bucht, dass es so etwas wie einen Mutterinstinkt nicht gibt.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Mansfield, Katherine (eigtl. Kathleen Mansfield Beauchamp) englischspr. Schriftstellerin *14.10.1888 Wellington, Neuseeland 9.1.1923 Fontainebleau, Frankreich Das Gartenfest, 1922 Katherine Mansfield hat in ihren Werken der Rastlosigkeit, der zunehmenden Mobilität und Heimatlosigkeit in ihrer Zeit Ausdruck verliehen. Mansfield wurde die trauliche Oberfläche des Familienlebens in Wellington, unter der Angst und seelische Grausamkeit lauerten, schnell zu eng. 1909 verließ sie Neuseeland. Als ehemalige Bewohnerin der Kolonien fühlte sie sich in England trotz ihrer Freundschaft mit anderen Literaten wie D.H. R Lawrence und Virginia R Woolf als Außenseiterin. Ab 1912 lebte sie mit dem Schriftsteller John Middleton Murry (1889 bis 1957) zusammen. Krankheit sowie ständige Orts- und Wohnungswechsel prägten fortan ihr Leben. Der frühe Tod ihres Bruders Leslie Heron Beauchamp 1915 wurde zum Anlass, die erlebte Kindheit schreibend zu fixieren. Mit Prelude (1916) entwickelte sie ihren charakteristischen Kurzgeschichtenstil. An Tuberkulose erkrankt, begann Mansfield einen Wettlauf gegen die Zeit: In den ihr verbleibenden sieben Jahren veröffentlichte sie insgesamt drei Bände mit Kurzgeschichten. Biografien: J. Schöffling, Katherine Mansfield. Leben und Werk, 1996; C. Tomalin, Katherine Mansfield. Eine Lebensgeschichte, 1987 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Mansfield, Katherine (eigtl. Kathleen Mansfield Beauchamp) englischspr. Schriftstellerin *14.10.1888 Wellington, Neuseeland 9.1.1923 Fontainebleau, Frankreich Das Gartenfest, 1922 Katherine Mansfield hat in ihren Werken der Rastlosigkeit, der zunehmenden Mobilität und Heimatlosigkeit in ihrer Zeit Ausdruck verliehen. Mansfield wurde die trauliche Oberfläche des Familienlebens in Wellington, unter der Angst und seelische Grausamkeit lauerten, schnell zu eng. 1909 verließ sie Neuseeland. Als ehemalige Bewohnerin der Kolonien fühlte sie sich in England trotz ihrer Freundschaft mit anderen Literaten wie D.H. R Lawrence und Virginia R Woolf als Außenseiterin. Ab 1912 lebte sie mit dem Schriftsteller John Middleton Murry (1889 bis 1957) zusammen. Krankheit sowie ständige Orts- und Wohnungswechsel prägten fortan ihr Leben. Der frühe Tod ihres Bruders Leslie Heron Beauchamp 1915 wurde zum Anlass, die erlebte Kindheit schreibend zu fixieren. Mit Prelude (1916) entwickelte sie ihren charakteristischen Kurzgeschichtenstil. An Tuberkulose erkrankt, begann Mansfield einen Wettlauf gegen die Zeit: In den ihr verbleibenden sieben Jahren veröffentlichte sie insgesamt drei Bände mit Kurzgeschichten. Biografien: J. Schöffling, Katherine Mansfield. Leben und Werk, 1996; C. Tomalin, Katherine Mansfield. Eine Lebensgeschichte, 1987 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.