Das relativ kleine, nicht zu dicke Kochbuch unterscheidet sich in wohltuender Weise von den vielen Billig-Kochbüchern, die den Markt überschwemmen. Liebevoll mit schönen Detailfotos der einzelnen Kräuter gestaltet, ist jedes einzelne Kapitel schon ein Genuss für die Augen.
Jedem Kapitel vorangestellt ist eine Übersicht von Kräutern einer bestimmten Gruppe, die so genannten "Kräuterfamilien" zugeordnet werden (z. B. beschreibt eine Familie die "bitteren Kräuter", zu denen Wermut, Beifuss, Löwenzahn, Ehrenpreis sowie Salbei, Estragon und Quendel gehören, weitere Familien sind "Kressefamilie", "heimische Kräuter", "Mittelmeerkräuter", "Kräuter und Blüten", "Malve", "exotische Kräuter" und "Pfefferminzmuseum"). Die gebräuchlichsten davon sind sehr schön fotografiert und auf ihre Verwendbarkeit hin beschrieben. Anschließend findet man sehr interessante Rezepte für den Alltag und zum Verwöhnen. Schöne Rezepte gibt es auch für die Vorratshaltung (Pasten, Eingelegtes, Pesto und Würzöle). Besonders hervorzuheben sind die vielen praktischen Randtipps, die oft in anderen Büchern vorausgesetzt zu werden scheinen, aber durchaus nicht selbstverständlich sind. Sie finden sich in kleinen Fußnoten bzw. Bemerkungen mit der Überschrift "Das ist wirklich wichtig!" So ist z. B. genau beschrieben und fotografiert, wie Basilikum für ein Pesto vorbereitet wird, warum die Blätter nicht mit dem Messer geschnitten werden sollen, usw.
Unzählige kleine Hinweise mehren das grundsätzliche Kräuterwissen und sind zudem oft genauestens abgebildet, z. B. auch Verarbeitungstechniken.
Beim Betrachten der Bilder stellt sich aber manchmal dann doch die Frage der Alltagstauglichkeit, wenn z. B. ein Türmchen aus hauchdünnen Käsescheiben abwechselnd mit Kräutern geschichtet, obenauf mit essbaren Blüten dekoriert, als Vorspeise empfohlen wird. Es sieht zwar herrlich aus, ich stelle mir aber auch vor, was passiert, wenn man hinein beißt...
Das Buch endet mit einem Register, in dem nicht wie sonst die Rezepte aufgelistet sind, sondern alphabetisch die Kräuter, die in den Rezepten Verwendung finden.
Zusammenfassend gesehen ist das Werk ein rundum wertvolles Kochbuch, das mir schon einige Inspirationen gegeben hat, auch wenn man nicht alles jederzeit nachkochen kann, weil die Wildkräuter oft eben nicht das ganze Jahr lang verfügbar sind. Man muss schon mit der Natur leben und speisen, was wieder einen ganz neuen Reiz darstellt, in unserer Gesellschaft, in der sonst fast jederzeit alles zu kaufen ist, was das Herz begehrt. So wirkt dieses Buch denn auch als Denkanstoß, mehr mit den Lebensmitteln des Jahreslaufes zu leben.
Die Aufmerksamkeit des Lesers wird so auf den natürlichen Lebensrhythmus gelenkt, dem eigentlich auch eine ganz eigene Kraft innewohnt.
Abschließend ist zu sagen, dass dieses Kochbuch eine echte Bereicherung meiner schon recht umfangreichen Sammlung ist (weit über 100 Koch- und Backbücher befinden sich bereits in meinem Besitz). Es macht Lust darauf, ein Erntekörbchen zu nehmen, bei schönem Wetter ins Freie zu gehen und sich mit dem zu versorgen, was gerade wächst! Unbedingt empfehlenswert auch als Geschenk für "Kräuterhexen", vielleicht dekoriert mit einigen Wildkräutern!