Im Nachwort schreibt Salaman, bei einem historischen Roman gehe es nicht darum, allzu exakt mit der Vergangenheit umzuspringen; ein Autor müsse nur solche Fehler vermeiden, die selbst ungebildeten Lesern auffallen könnten, etwa Dampfmaschinen im 16. Jahrhundert.
Das Positive: Dampfmaschinen tauchen im "Garten der Lüste" tatsächlich nicht auf. Aber ansonsten stimmt nichts. Salaman hat sich weder damit beschäftigt, wie Menschen im 16. Jahrhundert so dachten oder "tickten", noch mit dem Schauplatz Münster (immerhin hat er seinen Roman in ein fiktives "Rensburg" verlegt, so dass er sich nicht die Mühe machen musste, mal nach Westfalen zu fahren). Vielleicht ist es auch logisch, dass er sich mit dem Menschen der Frühen Neuzeit nicht auseinander gesetzt hat, denn anscheinend macht er sich insgesamt nicht viel aus der Spezies Mensch; seine Figuren jedenfalls sind so eindimensional, so platt, dass man eigentlich jede mit einem einzigen Adjektiv vollständig beschreiben kann. Kurz: Als Roman schwach, als Historischer Roman ein Fiasko. Ich wage es kaum zu sagen, aber: Das einzig gelungene fand ich ein paar erotische Szenen. Vielleicht wäre das eher das Genre für Nicholas Salaman, wenn ihm seine Berufe (Werbung und Marmeladenfabrikation) zu eng sind - aber von der lieben Frau Historia möge er doch lieber die Finger lassen.
So, und als Tipp für Menschen, die einen Roman mit ähnlicher Kulisse wie das Wiedertäuferreich von Münster suchen: Andrzej Szczypiorski, Eine Messe für die Stadt Arras.