(Achtung, Spoiler!)
Diese beim Anblick der untergehenden Sonne von dem tödlich verwundeten Fiske (Richard Widmark) hervorgestoßenen berühmten letzten Worte gehören sicherlich zu den wuchtigsten und vielleicht auch kitschigsten, mit denen im Westerngenre der Opfertod kommentiert worden ist, und sie sind für mich immer einer der Höhepunkte dieses 1954 vom Westernroutinier Henry Hathaway gedrehten Filmes "Garden of Evil" - nur noch übertroffen von der bitteren Feststellung Gary Coopers "If the earth was made of gold, I guess men would die for a handful of dirt."
Damit hätten wir auch schon die beiden Hauptthemen dieses Westerns: die unbezwingbare Gier nach Gold, die ihre Opfer zu den brutalsten und niederträchtigsten Taten treibt sowie das Bestreben, seinem Leben einen höheren Sinn als den im materiellen Erfolg liegenden zu verleihen, oder kurz: Selbstsucht und Selbstlosigkeit. Anders als in John Hustons exquisitem Westernklassiker "The Treasure of the Sierra Madre" (1948) nehen in dieser Geschichte auch Aufopferungsbereitschaft, Anstand und menschliche Sehnsucht einen prominenten Platz ein. Dabei stranden auch hier zu Anfang drei ziemlich abgehalfterte Gestalten in einem alles andere als hochzivilisierten mexikanischen Kuhdorf namens Puerto Miguel. Coop spielt wieder einmal einen lakonischen, hölzernen Einzelgänger, Hooker mit Namen - später erfahren wir, daß er Sheriff gewesen ist -, der keinesfalls den eindeutigen Idealismus an den Tag legt, den wir von einem klassischen Westernhelden erwarten, sondern sich durchaus für die Verlockung durch den schnöden Mammon, die bald seinen Weg kreuzen wird, empfänglich zeigt. Es ist ein wahres Vergnügen, dabei zuzuhören, mit welcher Einsilbigkeit er sich den hartnäckigen Versuchen des professionellen Glücksspielers Fiske, ihn auszuhorchen, entzieht. In diesen kurzen Dialogen ist Coop mit seiner Tongue-in-cheek-Attitüde distanzierten Schalks ganz in seinem Element. Als Dritten im Bunde gibt es Luke Daly (Cameron Mitchell), der sich schließlich als ein Kopfgeldjäger entpuppen wird - und als ein nicht besonders mutiger allzumal. Kaum sind sie im Saloon von Puerto Miguel angekommen - durch einen Fliegenvorhang von den Einheimischen getrennt -, da stürmt auch schon die junge Leah Fuller (Susan Hayward) herein und versucht, die Männer dazu zu bewegen, mit ihr zu kommen und ihren Ehemann aus seiner Goldmine zu befreien, in der er verschüttet worden ist. Als Belohnung winke eine Menge Gold. Der Haken ist jedoch, daß sich die Mine auf Apachengebiet befindet, und zwar in einer Gegend, die den Indianern heilig ist.
Für die drei Abenteurer ist diese Herausforderung - vor allem wegen des Goldes, aber auch wegen ihrer Auftraggeberin - ein gefundenes Fressen, und auch der Mexikaner Vicente Madariaga (Víctor Manuel Mendoza) schließt sich dem Trio an. Bald schon werden die vier Männer von der entschlossenen Frau in die Wildnis geführt, ein Gebiet, von dem es nur eine Landkarte zu geben scheint - und diese befindet sich im Besitz Leah Fullers. Leah und ihr Mann sind die einzigen Weißen, die im "Garten des Bösen", wie die Region genannt wird, leben - nachdem ein Vulkanausbruch die dortige Siedlung unbewohnbar gemacht hatte, mieden fortan alle Überlebenden aus abergläubischer Furcht das Terrain, und den Indianern wurde es heilig. Doch auch der ein oder andere - vielleicht sogar alle - der vier Männer, die sich nun im Schlepptau der Dame befinden, planen augenscheinlich, den Weg dorthin auf eigene Faust wieder zurückzufinden. So macht sich Vicente heimlich Zeichen, während Daly sowohl das Gold als auch Leah selbst zu begehren beginnt.
Es gibt sicher vieles, was einem Zuschauer, vor allem dann, wenn er auf moderne High-Tech-Filme konditioniert ist, "Garden of Evil" verleiden könnte. So ist ein Teil der Landschaft allzu offenkundig gemalte Filmkulisse, und wir bleiben auch nicht von der Amerikanischen Nacht verschont, d.h. dem Day-for-Night-Verfahren, bei dem Aufnahmen, die während des Tages oder zur Dämmerung gemacht worden sind, mittels Filter oder Farbänderung so bearbeitet werden, daß sie als Nachtaufnahmen durchgehen sollen - dies wirkt heute einfach nur billig und dilettantisch. Doch, so finde ich, sollte man als Zuschauer nicht allzu kleinkrämerisch auf technische Perfektion pochen, wenn andere Dinge stimmen. Zu diesen gehört beispielsweise die machtvolle Filmmusik von Bernard Herrman (u.a. "Citizen Kane", 1941, und "North by Northwest", 1959), die sich wie eine Symphonie unter (!) die Dialoge und die Handlung legt. Aber auch letztere - Dialoge und Handlung eben - sind eindeutig über dem Durchschnitt. Hathaway, dem, gleichwohl er ein Routinier in Sachen Western war, es immer wieder geglückt ist, vielen seiner Filme das gewisse Etwas zu verleihen, schafft es auch in "Garden of Evil", den Zuschauer bei der Stange zu halten, indem er mit den vier - später sogar fünf - Männern und der einen Frau eine Gruppe zum Leben erweckt, die sowohl von widerstreitenden Interessen als auch der Notwendigkeit, sich gegen eine feindliche Umwelt zu behaupten, geprägt wird.
Am deutlichsten wird diese Spannung im Charakter des Glücksspielers Fiske, der zunächst als ein gewissenlos-gerissen auf seinen Vorteil bedachter Zyniker erscheint ("Being a professional gambler, I like to know about everybody I meet because I might play 'em sometime."). Im Verlauf der Reise neckt er dann Hooker immer wieder mit spitzen Bemerkungen hinsichtlich der Wirkung, die Leah Fuller auf den Ex-Sheriff haben könnte ("Before this is over, you'll be like that horse: Eatin' right outa her hand."), doch am Ende scheint er selbst es zu sein, der Leah aus der Hand frißt. So ist denn auch sein Opfertod weniger als abstrakter Akt ethischer Pflicht, sondern vielmehr als Liebesdienst Leah - oder Hooker - gegenüber zu verstehen, und damit eigentlich viel selbstloser, als hätte er aus nüchternen moralischen Prinzipien gehandelt.
Während die Landschaft zusehends karger und unwirtlicher wird - man denke nur an die dunkel bewölkten Berge, den Vulkan, den halbverfallenen Kirchturm und die ihn umgebenden Kreuze am Zielort, aber auch an die schroffe Berglandschaft auf dem Weg dorthin -, entwickeln sich die Charaktere in entgegengesetzte Richtungen. Leahs Ehemann John (Hugh Marlowe) wird Opfer seiner eigenen Paranoia ("It was the gold, Lea. That's all I ever meant to you: A pick and shovel to get your gold."), und Daly verfällt immer mehr dem Gold, während andere nicht der Versuchung im "Garten des Bösen" erliegen. So gerät der Filmtitel unversehens zur Metapher für das menschliche Leben schlechthin, oder auch (nur) für den Umgang des Menschen mit der ihn umgebenden Natur: Obgleich zunächst einmal ein Garten, verheißungsvoll und einer fruchtbringenden Nutzung nicht verschlossen, kann es, fixiert man es auf die falschen Ziele, zu einer Brutstätte des Bösen werden. Auch das Land, das von den Siedlern und Goldgräbern rücksichtslos mißbraucht wird, wendet sich gegen sie: Nicht zuletzt die stereotypisierende Darstellung der Indianer als gesichtsloser Naturgewalt, die in vielen Western gepflegt wird, legt Zeugnis von der Gewißheit der Nachfahren ab, daß nicht wenige Siedler diese Neue Welt nie wirklich zu der ihren zu machen verstanden. Sie haben das Land (und die Indianer) allenfalls bezwungen, sind aber niemals wirklich mit ihm zusammengewachsen. Davon gibt "Garden of Evil" ganz eindeutig Zeugnis ab, wenn Leah Fuller beispielsweise sagt, daß die Indianer zwar allen Grund haben mögen, Farmer, Rancher und Eisenbahner zu töten, die ihnen das Land wegnehmen, Zäune und Straßen errichten und sie von dort verdrängen, daß dies aber bei Goldgräbern nicht der Fall sei, da diese ja nach getaner Arbeit wieder verschwänden, - und damit letzten Endes auch eine verblendete Fehleinschätzung liefert.
"Garden of Evil" ist ein psychologischer Western, der sich gänzlich auf einer symbolhaften Ebene ansiedeln ließe, ein Film voller Spannung, nicht ganz frei von Stereotypen und sicherlich im Hinblick auf Effekte und Bild erheblich angestaubt. Dennoch halte ich ihn für einen starken Film.