Diese Anwaltsserie aus dem 18. Jahrhundert stellt ein Glanzlicht unter den jüngsten Historiendramen des britischen Fernsehens dar. Dass ihr Erfolg beim Publikum überraschend kam, wundert mich eigentlich - denn das geniale Konzept muss einfach gefallen: 'Garrow's Law' verbindet die so beliebte Atmosphäre (Sprache, Kostüme, Verhaltenskodex) des Period Drama mit der Spannung und Raffinesse moderner Gerichtsdramen.
Die Serie hat alles, was geschichtsbegeisterte Zuschauer begehren: Auf wahren Gerichtsfällen beruhende, authentisch dargestellte Prozesse entnommen einem der großen englischen Rechtswerke (Garrow's Law); einen gegen das (un)rechtstiftende Rechtswesen seiner Zeit aufbegehrenden jungen Anwalt, der die Verteidgung vor Gericht revolutioniert; und dazu eine auf Gleichgesinntheit beruhende Liebesgeschichte, die nicht klischeehaft verläuft.
Als Repräsentanten eines modernen Rechtsempfindens, der Angeklagten vor Gericht eine juristisch geschulte Stimme verleihen möchte und dabei zu unerhörten Ermittlungs- und Verhörmethoden greift, aber auch als einen 'Aufsteiger', der mit seiner Wahrheitssuche die reaktionären Gentlemen-Juristen seiner Zeit in Unruhe versetzt, schließt man William Garrow, einen jungen, hitzköpfigen, mitfühlenden und originellen Anwalt, schnell ins Herz.
Pro Folge werden mehrere packende Fälle behandelt, die zugleich in das Leben, die Gedankenwelt, die Rechts- und Moralvorstellungen des georgianischen England einführen. Da geht es um Raub, Kindsmord, Hochverrat und ein Recht, das sich zwischen politischen Intrigen und beginnender Medienmanipulation behaupten muss. In dieser Welt ist auch William Garrow nicht frei von Tadel und gehen bei weitem nicht alle seiner Fälle gut aus. Aber man ist doch froh, dass es galante Revolutionäre wie ihn gab - und dass Historiendramen ihre Biographien gelegentlich der Vergessenheit entreissen.
Die Schauspieler (allen voran Garrow=Andrew Buchan, aber auch sein staatsanwaltlicher Kontrahent Silvester = Aidan McArdle, seine adelige Unterstützerin Lady Sarah = Lyndsey Marshal, deren Politiker-Gatte Sir Arthur = Rupert Graves, Garrow's Sollicitor Mr. Southouse = Alun Armstrong, die Richter und viele der weniger bekannten Darsteller von Prozess-Involvierten) geben eine glänzende Leistung ab. Den vier ersten Episoden folgten bald eine zweite und dritte Staffel, die ebenso sehenswert sind. Mich wundert eigentlich nur, dass man nicht schon früher auf dieses Erfolgskonzept gekommen ist!